Winter an der Nordsee

Winter an der Nordsee.
Zeichnung: hellopetersen

In ein paar Tagen düse ich mit L. an die Nordsee. L. spricht schon seit Tagen von ihrem “Dreifahrrad”, dem Dreirad, dass ihre Oma gebraucht für sie bekommen hat und das L. nach unserem letzten Besuch leider bei Oma zurücklassen musste. Ich kann’s kaum erwarten, ein paar Tage an die Seeluft zu kommen. Ich freu’ mich schon auf die Couch meiner Eltern. Auf Pralinen, Kekse, unschlagbare Kuchen. Auf die zwanzig Zentimeter hohen Torten vom Bäcker aus dem Dorf nebenan. Auf Spaziergänge im Nieselregen und auf die hausgemachten Wiener Würstchen des Landschlachters um die Ecke.

Wenn wir’s vom Sofa in die Garage meiner Eltern schaffen, fahren wir auf jeden Fall mal auf dem Husumer Weihnachtsmarkt vorbei. Der ist zwar nicht groß und auch überhaupt nicht spektakulär (zwei Glühweinstände, ein Schwenkgrill mit Nürnberger Rostbratwürstchen, ein Stand für gebrannte Mandeln und ein kleines Kinderkarusell), hat aber in seiner praktisch-pragmatischen Aufmachung unter uns Nordfriesen einfach Tradition (O-Ton meines Mannes: “So einen winzigen Markt können sich auch echt nur Protestanten in die Stadt knallen.”)

Die meiste Zeit werden wir aber sicher zuhause verbringen. L. wird mit meinen Brüdern von morgens um sieben bis in die Abenddämmerung hinein mit ihrem “Dreifahrrad” den Feldweg hinter unserem Haus unsicher machen, während ich mir mit einem Plätzchenteller auf dem Schoß von meinen Eltern, Brüdern und meiner Schwägerin haarklein alle Szenen aus der Daily-Soap berichten lasse, die in Nordfriesland in den letzten Wochen ohne mit weitergelaufen ist.

Wenige Tage vor Weihnachten werden L. und ich dann alles wieder zusammenpacken und nach Berlin zurückknattern. Im Gepäck: Würstchen vom Landmetzger, Eier aus dem Hühnerstall meines Vaters, Äpfel aus dem Garten meiner Eltern, Stollen und Weihnachtsschokolade für den grauen Restwinter in Berlin. Solltet Ihr am Berliner Hauptbahnhof an meinem Rückreisetag auf eine etwas angestresste Mutter mit einem vollkommen überfrachteten Buggy stoßen, aus dem ein Kleinkind im Schneeanzug verzweifelt nach seinem “Dreifahrrad” ruft: winkt uns mal zu, das sind dann L. und ich!

Habt eine richtig schöne Zeit bis Weihnachten.


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