Der Blog RAETHEREI

(Fast) die ganze Wahrheit über unser Start-up-Leben! Lest unser großes Interview auf dem Blog “Raetherei”!
Vielen lieben Dank, liebe Kika und Lotta!

 

// We we were talking about our so called “start up” life on the blog “Raetherei” today! Check out the whole interview (in German). So proud!

 

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Raetherei, 12. Mai 2014

 

 

Heute stellen wir euch unsere Freundin Melanie Petersen und ihr Label hellopetersen vor. Melanie hat inzwischen das Sortiment einer ganzen Papterie. Erhebende, inspirirende Zitate und Illustrationen werden in ihrer unvergleichlichen Handschrift auf Plakate, Karten und Taschen gedruckt. Mein Grafikerherz macht jedesmal einen Hüpfer vor Freunde!
Über Melanie haben wir letztes Jahr auch schon gesprochen, ihre Petersen Strickjacke ist so schön! Dieses Mal aber haben wir noch mehr aus ihr herauslocken können. Ein kleiner Start-Up Ratgeber ist die Fragestunde geworden. Also an alle Macher, Lauscher aufsperren und einen wundervollen Notizblock von Melanie zücken und Notizen machen!

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 – Erzähl kurz was zu Dir, wie ist Dein Label entstanden?

Mein Label ist im Frühling 2012 in meiner Berliner Küche entstanden.

Ich hatte für eine längere Zeit in einem Verlagshaus gearbeitet, war gesundheitlich angeschlagen und musste aus diesem Grund auch beruflich in eine neue Richtung denken. Und dann gab es eines Sonntags im April beim Frühstück den schon oft von mir beschriebenen „Marmeladenbrötchen-Moment“. Ich dachte mir: jetzt, hier und heute ist doch eigentlich der richtige Zeitpunkt, um ein eigenes Label zu gründen.
Bis dato hatte mir vor allem das nötige Selbstbewusstein dafür gefehlt. Dies hatte vielleicht auch mit dem Alter zu tun. Im Sommer würde ich 32 werden. Ich war noch gar nicht alt. Mein Studium in Hamburg hatte ich allerdings an meinem 26. Geburtstag abgeschlossen. Das war auch schon wieder 6 Jahre her. Wo waren diese Jahre eigentlich so schnell geblieben? Ich hatte in diesem Frühling 2012 dann einfach das nötige Gottvertrauen, es auch geschäftlich möglicherweise so halbwegs wuppen zu können.
In der Woche darauf fuhr ich zum Gewerbeamt Kreuzberg und meldete mein erstes Gewerbe an. Damit war ich dann offiziell „Unternehmerin“. Klang erstmal gut. Aufgrund des gewerblichen Eintrags mit all seinen Rechten und Pflichten nahm ich mich allerdings auch selbst gleich etwas ernster. Das hat mir sicher geholfen, ab dem Sommer dann richtig loszulegen.

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– Wie sieht ein typischer Tag bei Dir aus?

Ich arbeite ja auch immer noch als Freelance Designerin. Es kommt also immer darauf an, ob ich gerade in einer Agentur oder einem Verlag gebucht bin. Manchmal habe ich auch zuhause einen Grafik-Job auf dem Tisch. An diesen Tagen werden die Grafik-Aufträge natürlich erst einmal vorgezogen. Sie haben auch oft eine sehr kurze Deadline.

An den anderen Tagen beginne ich morgens gleich mit dem Beantworten von Kunden-Emails für meinen Webshop. Der „Customer Service“ ist ein wichtiger Bestandteil meines Shops. Ich hatte anfangs völlig unterschätzt, wie viel Zeit ich für das E-mailen und Beantworten von Fragen zur Bezahlung, zum Versand und zu den Waren einplanen muss.

Der Kontakt mit den Kunden macht mir sehr viel Spaß. Mittlerweile merke ich, dass viele vorab einfach gern ganz kurz ein paar Fragen klären, bevor sie bestellen. Es schafft schon so ein wenig Vertrauen, und Vertrauen ist sehr wichtig im Online-Shopping-Bereich, in dem man ja sein Geld nicht einfach digital irgendwohin transferiert und hofft, dass alles dann schon schiefgehen wird. Viele Kunden kennen mich auch bereits über meinen Instagram-Account („hellopetersen“) und schreiben mich persönlich oder gleich per „Du“ an.

Ich kümmere mich dann im Laufe des Tages um die Entwicklung und Produktion neuer Produkte für meinen Shop. Ich zeichne neue Prints, telefoniere mit einem Siebdrucker oder gestalte Poster am Rechner.

Es gibt auch viele, viele Office-Tage, da bestelle ich dann einfach „völlig stulle“ den ganzen Tag lang nur Kartons und Verpackungsmaterial. Auch immer „spannend“: ich sortiere meine vielen Quittungen und Belege für das Steuerbüro vor. Auch das muss gemacht werden und auch diese Tage machen mir mittlerweile viel Spaß.

Neben der gestalterischen Arbeit nimmt die organisatorische inzwischen sehr viel mehr Raum ein, das hatte ich Anfangs ganz anders eingeschätzt. Ich hatte mir immer vorgestellt, ich würde eines Tages in einem Setting arbeiten, wie man es aus den Bildern von Charles und Ray Eames (Anm.: den Entwicklern der Eames-Chairs) kennt. Also zum Beispiel in einem lichtdurchfluteten Dachterassen-Atelier, vor mir eine schicke Karaffe mit stillem Wasser, in der ein paar Blättchen Minze schwimmen.

Und in dieser „Arbeitsatmosphäre“, so hatte ich es mir immer gedacht, würde ich an einem 5 Meter langen Teakholz-Tisch den ganzen Tag schön vor mich hingestalten. Im Hintergrund Mädchenmusik (im Moment höre ich die Band „Haim“ um die drei lässigen Schwestern aus Kalifornien rauf und runter).

Dass mein Arbeitsplatz eines Tages dann von hässlichem Krempel dominiert sein würde, damit hatte ich dann allerdings nicht gerechnet, haha. Mein Büro ist von unzähligen, braunen Wellpappe-Kartons (in denen die Poster und Postkarten geliefert werden) dominiert. Es stehen Boxen in allen größen und Formaten (für den Postversand der Waren) und ein ordentlicher Schwung Leitz-Ordner (für die Buchhaltung) herum. Das hatte ich so natürlich nicht so richtig auf dem Plan, als alles losging.

Gegen abend schaue ich noch nach, ob der Versand läuft und alles auf dem Weg zu den Kunden ist. Auch dies dauert ein bisschen, fordert Zeit und Aufmerksamkeit und ist keineswegs so blitzschnell erledigt, wie ich es immer annehme. Und dann ist so ein Tag auch schon wieder rum.

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– Gibt es ein Lieblingsstück in deiner Kollektion?

Jein. Es wechselt immer so ein bißchen. Das Lieblingsstück des Unternehmers ist ja eigentlich immer das Produkt, welches im Onlineshop von den Kunden sofort verstanden und dann auch gern und oft bestellt wird. Wenn es mir gelungen ist, ein solches Produkt zu entwickeln, bin ich immer sehr dankbar. Dies ist z. B. bei den Postern der Fall. Und auch bei vielen Textilien.
Ich freue mich immer riesig, wenn neue Produkte gut angenommen werden. Wenn Kunden ein ganz bestimmtes, neues Produkt immer wieder kaufen, zeigt es mir: hier sprechen wir also alle eine gemeinsame Sprache. Ihr findet das schön – und ich auch. In diese Richtung kann es also weitergehen. Ich entwickle selbstverständlich auch immer mal wieder einen Flop. Das ist dann halt so. Das darf man dann nicht lange hinterfragen (habe ich anfangs wochenlang gemacht!). Diese Dinge fliegen dann halt einfach wieder aus dem Sortiment. Man kann bei 100 Produkten einfach nicht jedesmal einen Volltreffer landen.

Alexa von www.vonhey.de hat mir ganz früh in meinen ersten Tagen mit dem Label „Petersen“ schon geraten, bei der Produktauswahl nicht zu schnell und zu hektisch vorzugehen. Vieles brauche einfach etwas Zeit, bis es bei allen Kunden angekommen sei, sagte sie. Man müsse also eine gewisse Gelassenheit mitbringen und dürfe nicht immer alles gleich wieder raus- und umschmeißen. Dieser Tipp von Alexa hat sich bereits zu 100 Prozent bewahrheitet!

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– Wo und wie findest Du Deine Inspiration?

Im Urlaub, haha. Nein, im Ernst. Ich merke im Moment, dass es immer wichtiger wird, sich vom Rechner wegzubewegen (auch wenn Bilderstreams auf Tumblr nach wie vor sehr kreativ und inspirierend sind). Kürzlich war ich für ein paar Tage verreist, ich bin nach Irland geflogen. Wie schön war es doch, dort über einen ganz fluffig federnden, moosigen Rasen an einer Steilküste zu laufen. Das Moos in den schönsten Abstufungen unterschiedlicher Grüntöne! Diese Farben könnte ich am Rechner in Photoshop niemals elektronisch „anmischen“.

Und wie schön war es, vor Ort eine handgemachte Schokolade aus einem kleinen, irischen Familienbetrieb zu entdecken. Wie hübsch die Schokolade in ein schönes, festes Stück Naturpapier eingeschlagen war!
Das hat mir sehr gefallen. Diese auf den ersten Blick völlig unaufregenden Dinge finde ich sehr inspirierend.

Mich interessierte an dieser besonderen Schokolade vor allem der handgemachte Manufaktur-Charakter. Ich denke in solchen Momenten auch immer darüber nach, wie ich diese liebevollen, naturbelassenen Details noch weiter bei „Petersen“ einbringen könnte.

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– Was ist Deine größte Motivation?

Hmmm, schwer zu sagen. Meine größte Motivation ist möglicherweise der Wunsch, es irgendwie schaffen zu wollen. Die Idee, ein Unternehmen zu gründen und zu führen, welches – so klein es noch sein oder auch lange bleiben mag – einfach profitabel aufgestellt ist und über viele Jahre und Jahrzehnte langsam wachsen kann. Das wäre mein Wunsch für „Petersen“. Mich motivieren in meinen unzähligen Business-Büchern aus Amerika (über die mein Freund übrigens immer Witze macht) nämlich vor allem auch immer die Statistiken über junge Gründer, die schnell scheitern, weil sie einfach nicht bei der Stange bleiben, sobald es knifflig oder nervig wird.

Über diese kniffligen Zeiten habe ich bisher immer versucht, völlig stoisch hinwegzuarbeiten. Dass ich auch schon so einige Sinnkrisen hatte und dachte, „Petersen“ würde sich wochenlang eher rückwärts bewegen und nicht, wie ich es mir wünsche: immer noch vorn! Das man das manchmal aushalten muss und gleichzeitig so ungeduldig mit allem ist, das ist klar.

Es hat bis heute, also 2 Jahre lang gedauert, bis ich ein winziges bisschen akzeptieren konnte, dass wirtschaftliche Zyklen wellenförmig und definitiv sehr unruhig sind. Und niemals gleichförmig.

Ich denke, dass viele junge Gründer nach den ersten, obermotivierten Wochen und dem aufregenden Gründungsboost wahrscheinlich schnell feststellen, dass der Traum vom eigenen Unternehmen dann vor allem auch viel Arbeit, Nerven, Zeit und Geld kostet. Oft auch: privates Geld. Und da tut es den meisten ja sofort besonders weh. Klar, da muss ich mich entscheiden: kaufe ich mir jetzt ein paar neue Nike Free Runs, die arschcoolen Dinger, die ich am Wochenende bei „Wood Wood“ gesehen habe. Oder gebe ich das Geld für etwas aus, was meine Firma sehr dringend braucht. Zum Beispiel für einen Programmierer, der nochmal an der Webseite herumschraubt. Der Unternehmer wird (fast) immer re-investieren. Und der andere: shoppt dann halt einfach lieber. Er will jetzt in diesem Moment halt nicht damit beginnen, sich in seinem Privatleben etwas wegzusparen. Ich denke, hier scheiden sich viele Geister. Wer sein Unternehmen wachsen sehen möchte, muss sich eben auch immer wieder FÜR das Unternehmen entscheiden. Das fängt bei den vielen, unbezahlten Arbeitsstunden an (in denen man auch Faulenzen könnte) und hört bei den Turnschuhen, die man manchmal nicht haben kann, noch langen nicht auf.

Meine größte Motivation ist am Ende ganz sicher auch der Wunsch, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen, in dem ich für viele Jahre eigenständig arbeiten und meine eigenen Entscheidungen fällen kann. Und in dem ich es natürlich auch immer mit mir selbst ausmachen muss, wenn ich viel Geld verloren habe oder ein irgendwas einfach nicht gut läuft. Bei all den Unabwägbarkeiten, die ein eigenes kleines Unternehmen mit sich bringt, empfinde ich meinen Job als sehr priviligiert. Ich habe seit 2 Jahren das Gefühl, beruflich und gestalterisch unglaublich frei zu sein. Das ist ein sehr schönes Gefühl.

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– Wie sieht die ideale Zukunft Deines Labels aus?

Ich wünsche mir ein gesundes und profitables Label, das mir auch in vielen Jahren noch so viel Spaß macht, wie es heute der Fall ist. Es wird sicher auch Zeiten geben, in denen alles nicht so läuft, wie ich es mir wünsche. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass wir zwei, mein Label und ich, sehr lange ziemlich gut miteinander auskommen werden, haha. Jetzt mal im Ernst: manchmal ist das Label eine echte Diva, dann bin ich ein bisschen genervt. Und wenn ich zuviel fordere, gleichzeitig eine große Steuervorauszahlung überweisen muss und mit meinen holprigen Monatsbilanzen herumwedele, zickt das Label natürlich sofort zurück. Oder stellt einfach auf stur. Da müssen wir zwei dann durch.

Trotzdem, das Unternehmen „Petersen“ und ich, wir halten jetzt erstmal für eine Weile zusammen.

Und – hey! – hoffentlich für immer.