Der Blog LOVE L´AMOUR.de

Für den Blog “Love L´Amour” habe ich neulich ein paar Interviewfragen beantwortet. Das hat sehr viel Spaß gemacht – vor allem, weil Liz von Love L´Amour mir so schöne Fragen zum Designprozess stellte! Lest selbst (unter den Fotos geht´s los)…

 

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wer bin ich? woher komme ich und wohin will ich? diese fragen beschäftigen sicherlich nicht nur uns, sondern auch unsere freunde der pixel, stifte und buchstaben. deshalb möchten wir unter der rubrik visual vibrations in unregelmäßigem abstand gestalterfreunden von uns ein paar neugierige fragen stellen und euch unsere freunde mit ihren antworten vorstellen. und weiter geht’s heute mit petersen…

wer: melanie petersen, gründerin von PETERSEN – a collection of things for everyday
wie: hellopetersen.com
wo: in berlin

wie aus einem marmeladenbrot die erleuchtung werden kann. erzähl uns doch mal kurz was du vor petersen getan hast, im moment tust und gerne tun würdest?
in den jahren vor der gründung meines labels PETERSEN war ich grafikerin für editorial design. mein schwerpunkt lag also auf der gestaltung von magazinen und zeitungen. ich arbeitete in den ersten jahren nach dem studium zunächst festangestellt, irgendwann dann frei als grafikerin bei verschiedenen print-magazinen. vor drei jahren wurde ich art direktorin der WELT am SONNTAG.
eine wahnsinnig aufregende zeit! ich machte das 2 jahre lang, dann kam irgendwann der besagte „marmeladenbrötchen-moment“ am frühstückstisch.

ich wollte immer schon ein eigenes label gründen, traute mich nur irgendwie nicht. ich beschloss an diesem morgen, dass dies der perfekte tag sei, um einfach mal zu beschließen, dass ich damit jetzt loslegen würde. ich nähte zu dieser zeit sehr viel. irgendwann nähte ich aus alten vintage-jeanshosen zwei große bodenkissen. ich schnitt hellblaue und dunkelblaue jeans-streifen zurecht und nähte sie aneinander. so entstanden die ersten streifenkissen in unterschiedlichen blautönen. einer freundin, die mich damals zuhause besuchte, gefielen die kissen sofort. keine 14 tage später brachte sie mir eine große tüte mit ihren eigenen jeans und bestellte sich ein kissen bei mir. ich beschloss, dass diese vintage-jeanskissen das allererste PETERSEN produkt werden würden und eröffnete meinen ersten webshop. ich werde nie vergessen, wie unglaublich das gefühl war, eine bestellung von einer völllig fremden person zu erhalten. ich bekomme immer noch gänsehaut, wenn ich daran denke!

was ich im moment tue?
seit zwei wochen besuche ich täglich den roten, erdbeerförmigen erdbeerverkaufsstand am berliner nordbahnhof und kaufe so viele schalen, wie nur irgend auf dem fahrrad transportiert werden können. bin völlig süchtig. wenn ich keine erdbeeren einkaufe, entwickle ich im moment fast täglich ein neues poster oder siebdruck-plakat für PETERSEN. eine neue entwicklung für das label. das macht sehr viel spass!

ich träume von einem leben ohne kabel, die immer irgendwie stören. was würdest du gerne verändern, wenn du einen wunsch frei hättest?
mein freund hat zwei kleine jungs. mir ist aufgefallen, dass es kaum schöne kinderteller und -tassen gibt. klar, solche mit quietschbunten tierchen und figuren drauf. aber so lässig designte, von denen man auch als teenager noch ohne probleme eine käsestulle essen würde? zum beispiel gestalterisch in richtung der ittala-geschirrserie „sarjaton“? so etwas müsste man mal herstellen. wenn ich einen geschirrhersteller-kontakt hätte, würde ich es glatt selbst machen.

henne oder ei? wie läuft ein projekt bei dir ab? hast du zuerst eine idee und suchst den passenden hersteller oder ergeben sich bei der zusammenarbeit mit deinen herstellern auch neue ideen und projekte?
ich habe fast immer zuerst die idee und suche dann einen hersteller für das produkt. bei meinen “to do”-listen und all den anderen schreibblöcken war es allerdings tatsächlich anders herum. ich brauchte quittungsblöcke für mich selbst, um nach den verkäufen eine quittung ausstellen zu können und habe dann über zwei freundinnen einen ganz kleinen hersteller von blöcken empfohlen bekommen. ich ließ die quittungsblöcke, die ich dringend brauchte, machen und dachte mir einige wochen später: warum nicht eigentlich auch noch andere blöcke? mein erster block im webshop – die “To do”-liste – war dann wunderbarerweise gleich ein echter renner. mittlerweile gibt es auch schon eine “shopping List”, einen kleinen “notes”- und einen “Don´t forget”-block. heimlich träume ich noch von einem rosa und einem hellblauen block.

wie sieht es bei dir auf dem schreibtisch aus? in deinem kopf? wenn du aus dem fenster schaust?
auf meinem schreibtisch: post it´s, post it´s, post it´s. ich bin ein großer fan von post it´s. ohne die würde ich alles vergessen.
in meinem kopf
: im moment denke ich nur noch an frische erdbeeren, haha.
vor meinem fenster: balkon. bäume. julisonne.

arbeitest du lieber alleine oder benötigst du “sparrings” partner?
kommt immer drauf an. in der redaktion habe ich immer sehr, sehr gern mit redakteuren, chefredakteuren und kollegen aus der bildredaktion zusammengearbeitet. das war wahnsinnig wichtig und hat einen riesenspaß gemacht. als grafiker kann man im magazin ja auch eh nicht nerdmäßig abtauchen, man muss sich ganz viel abstimmen. man sollte, so doof das klingt, schon irgendwie auch „brennen“ für das thema lust darauf haben, sich mit dem redakteur über die geschichte zu unterhalten, sie zu verstehen und sie in form eines layouts für die leser verständlich zu machen. wer abstimmungen nicht mag und sehr schnell genervt ist, wenn sich am layout dauernd kurzfristig noch etwas ändert, weil gerade noch ein aktueller infokasten dazugekommen ist…. wer also am allerliebsten die kopfhörer aufsetzt, musik hört und stumm vor sich hinklickt (machen sehr viele grafiker sehr, sehr gern), der sollte vielleicht nicht unbedingt in einer redaktion arbeiten. es gibt auch agenturen, in denen man stundenlang mit seinen kopfhörern in ruhe gelassen wird und logos entwickeln darf.

sparrings partner für das label sind natürlich oft die freunde. und dann selbstverständlich auch: mein freund. der ist selbst designer. und ein großer PETERSEN-fan. seinem gestaltungsempfinden vertraue ich blind.

wo lässt du dich inspirieren?
im moment wirklich am allerliebsten: auf tumblr-blogs. auch, wenn die tumblr blogs nicht unmittelbar etwas mit meinen produkten zu tun haben, ihre bildwelten, die moodboards drücken schon ein sehr zeitgenössisches lebensgefühl aus, etwas wahnsinnig modernes, so etwas bekommt heute kaum ein print-magazin mehr hin. ist es nicht wunderbar, dass man jederzeit auf die allerschönsten moodboards im netz zugreifen kann? und die werden auch die ganze zeit noch aktualisiert, neues kommt dazu, älteres rückt nach hinten. das finde ich wirklich genial. von pinkgestrichenen wohnzimmerwänden in sydney, brotkrümeln auf einem vintage-teller in new york bis zu einem neuen coolen sneaker an einem teenager aus tokyo –tumblr has it all. neulich entdeckte ich ein foto von sofia coppola und bill murray auf dem filmset von „lost in translation“. sophia coppola trug ein dunkles t-shirt, vorn war groß der aufdruck „oui“ draufgeprintet. fand ich irre lässig.

french-voguettes.tumblr.com

danish-streets.tumblr.com

thegiftsoflife.tumblr.com

…eine weitere, wichtige inspirationsquelle: das reisen. einfach mal außerhalb seines kleinen, alltäglichen radius unterwegs zu sein. am liebsten würde ich noch viel, viel mehr wegfahren. ich mag südländische hafenstädte, kleine küstenorte, inseln. ich mag die stimmung dort, die verwitterung eines ortes, der salzwasser, wind und sonne ausgesetzt ist. ich mag veschlissene, sonnenverblichene segel in den allerschönsten, ganz, ganz hellen pink-und blautönen. ich kann mich auch über ein ganz klassisches design auf einer leicht fehlgedruckten zuckertüte auf meiner italienischen untertasse ganz wahnsinnig freuen. oder über das verpackungs-design in fremdländischen supermärkten. auf sardinien habe ich neulich einen echt lässigen weiss-grauen, handbezeichneten milchkarton entdeckt.

was geht (ja gar nicht)?
trekking sandalen. sorry, geht wirklich gar nicht.

fühlen. sehen. hören. was bedeutet material und farbe für dich? was kommt beim arbeiten auf die ohren?
an meiner hochschule in hamburg haben wir alle die vorlesung „farbe & form” belegen müssen. ganz egal, ob wir irgendwann modedesigner werden wollten, illustratoren, fotografen oder grafiker. auch der fotograf sollte den farbklang seines bildausschnitts erkennen. wir trafen uns jede woche und malten dann stundenlang, oft gar nichts gegenständliches, sondern einfach farbflächen. wir mischten die sogenannten “kalten” und “warmen” farben an. am ende der unizeit hatten wir alle verstanden, auf welche art farben miteinander korrespondieren können, wie sie gut zueinander stehen. das ist sehr wichtig, finde ich. man kann es wirklich nur lernen, indem man sich seine farben selbst anmischt, zum beispiel sechs verschiedene abstufungen von gelb. farben unabgemischt direkt aus der tube auf die leinwand zu bringen, das war unter meinem professor auch eh ganz furchtbar streng verboten. wenn ich das heute ab und zu mal mache, muss ich immer an das gezetere denken, das im kursraum losbrach, wenn er jemanden dabei erwischt hatte.

auf die ohren: wenn ich musik beim arbeiten höre (manchmal kann ich auch sehr gut in aller stille arbeiten), dann ganz oft alte platten. zum beispiel von den beastie boys oder den smiths. im vorigen winter habe ich alle alten sufjan stevens-platten monatelang rauf und runtergehört. und letzte woche einfach mal eine runde „beyoncé“. es war ein world-tour- lifealbum auf spotify. super zum arbeiten: die jay-z-alben! ach, die musikseite spotify ist ja eh das allergrößte!

 

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Hier geht´s zum Blog “Love L´Amour”… Kalla und Liz machen den übrigens von Stuttgart aus. Hello Stuttgart!

 

 

Hat uns sehr, sehr gerührt: LIZ Blogpost “It goes on”, nachdem Sie unser Poster aus dem Briefkasten gefischt hatte…