Erste Wünsche

Lieber Weihnachtsmann,

es ist bereits August. Nicht, dass ich mich da jetzt irgendwie vordrängeln möchte, aber ich dachte mir, ich frage jetzt schon mal ganz vorsichtig an, ob ich bei Dir eventuell auch etwas “zurückhängen” lassen könnte. Bis Weihnachten, meine ich.

Ich dachte mir nämlich gerade bei einem Blick in den Berliner Onlineshop “The Corner”, es könnte extrem gut sein, dass dieser Mantel von “Isabel Marant Étoile” längst vergriffen ist, bis Deine Hilfsengel ihren goldenen Schlitten aus dem Schuppen zerren und losknattern, um meine Weihnachtswunschliste herunterzushoppen.

Und wenn die Engel Anfang Dezember mit gräulich eingeweichten Flügelchen aufgrund eines sehr hartnäckigen Berliner Schneeregens (von 90 Grad seitwärts) bei “The Corner” hereinstolpern, um diese Jacke für mich zu besorgen… Na, Du weißt schon: die Jacke wird da hundertpro schon weg sein. Und dann kann ich mich vermutlich alternativ auf “einen guten Krimi” oder eine ” schöne Diptyque“-Duftkerze einstellen. Nicht, dass dies nicht auch extrem begehrenswerte Geschenke wären. Ich will da jetzt auch selbstverständlich nicht rumjammern. Und schon gar nicht “im Voraus jammern”. Diese Art von Jammern BEVOR dann etwas überhaupt erst eingetroffen ist oder eben bestenfalls niemals eintreffen wird, na, dieses Jammern hatte ich mir im Sommer eigentlich gerade erfolgreich abgewöhnt.

Wie? Was sagst Du da? Du findest den Mantel einfach zu schlicht und unaufregend,? Öhm, ja, sag mal… Seit wann dürfen denn Weihnachtsmänner sich zur Weihnachts-Hitlist äußern? Alsosoweitkommtsnoch. Tur mir leid, ist mir jetzt rausgerutscht. Vielleicht erkläre ich es mal besser so: seit wann bin ich denn eigentlich ein “Early Adaptor”? Eben. War ich doch noch nie. Ich mag doch immer nur die “Alltime Classics”. Meegabrav. Und megagähn.

Und hast Du mich jemals in etwas modisch extrem Aufregendem gesehen? Einem zitronengelbem Oversize-Mantel etwa mit aufgerollter, schmaler Stoffhose in einem schönen Naturton? Dazu spitz zulaufende Ballerinas? Noch nie, oder? Das bin ich doch gar nicht. Oder vielmehr: so sehe ich mich selbst doch gar nicht.

Mode ist immer auch ein Abbild dessen, wie man sich selbst so sieht. Und dann auch: wie man gern von anderen gesehen würde. Diese Art von optischer Marken- und Imagebildung geht nur leider manchmal – äh – leicht daneben. Oder wie erkläre ich mir da sonst all die Menschen, die tagsüber auf offenere Straße ernsthaft in… –  haaalt. Das Lästern hatte ich mir im Sommer doch ebenfalls abgewöhnt. “The power of positive thoughts.” Soll auch gut sein für jegliche Art von betriebswirtschaftlichem Vorhaben, las ich irgendwo. Und dachte mir: count me in. “Positives Denken” hat doch noch niemandem geschadet. Und mir schon mal gar nicht. Bin nur noch nicht dahintergekommen, warum man gedanklich immer so leicht davon abkommt. Wäre doch besser, man bliebe einfach megahartnäckig dran. Aber da wären wir dann auch schon wieder bei meinem zweiten, brandneuem Lieblingsthema: “The power of persistence” (Ausdauer & Beharrlichkeit). Noch so eine Baustelle.

He, Du, Weihnachtsmann. Sag mal, wie steht´s denn jetzt mit dem Mantel? Jetzt, wo eh klar ist, dass ich eine krass brave Modespießerin bin. Du musst da erstmal auf Dein Konto gucken? Verstehe. Kenn´ ich. Na, dann. Ich wollt´s ja auch nur kurz gesagt haben: bis Anfang Dezember ist das Ding weg. Und dann noch so ein ganz neutral gemeinter Hinweis: A-N-D-E-R-E Weihnachstmänner fackeln da sicher nicht so lang´. Etwa welche aus Japan. Oder aus Amerika. Aber klar, so eine Diptyque-Duftkerze is´ ja auch was schönes. Keine Frage.

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Mantel: “Janelle Coat” von Isabel Marant Étoile über The Corner, Berlin (Foto)

Foto im Link: Garance Doré von Sandra Semburg, A love is blind

Summer nights, summer music!

Was gehört zu einer gelungenen Sommerparty? Bier? Grillwürstchen? Sommerbowle? Und: gute Musik!

Wir haben eine kleine Playlist für Euch erstellt. “The PETERSEN- Summer nights”.

Hört doch einfach mal rein. Ist gar nicht kompliziert.

Schaut mal, so geht´s:

1. … Musik hören direkt über Euren Webbrowser!

2. … Musik hören über Spotify.com!

 

Viel Spaß Euch allen.

Und: happy summer parties!

Foto: PETERSEN/hellopetersen

Lieb und piep

 

Es ist nicht so, dass diese Woche nicht schon genug los wäre. Jetzt bin ich auch noch schockverliebt in dieses Regenbogen-Shirt. Ist es nicht der absolute H-A-M-M-E-R?

Es erinnert mich sooo, so sehr an mein “Regina Regenbogen”-Malbuch von 1984. Hattet Ihr das damals auch? Das Malbuch, meine ich? Wo ist denn meins eigentlich hingekommen? Wenn es nicht von meinen Brüdern zerstört und klammheimlich vergraben worden ist (wie so manches meiner früheren Lieblingsspielzeuge), muss es noch auf dem Dachboden meiner Eltern liegen, irgendwo zwischen meinen Milchzähnen, meiner vollgekrakelten Fibel und den roten Rollerskates, die ich jahrelang supertoll und dann irgendwann superblöde fand. Weil alle Cool-Kids aus der Klasse irgendwann Inliner bekamen. Nur ich halt lange nicht. Weil die roten Rollerskates ja “noch gut” waren.

Also, ich würde sagen: Internet anwerfen, Regenbogenshirt sofort online bestellen (wenn ich das Ding doch verflixt nochmal irgendwo finden würde). Und dann gleich ab ins Büro mit dem Teil.

Und im Meeting einfach mal einen knallharten, dreißigminütigen Finanzvortrag halten. Und das topseriös im frisch bestellten Regenbogenshirt. Vielleicht in dieser Besprechung auch gleich noch ein bißchen streng vor den anderen herumtun, dem Chef auch ruhig mal sehr ernst und energisch ins Wort fallen.

Ist nämlich längst kein Geheimnis mehr und steht inzwischen alle 6 Monate im “Karriere”-Teil jeder einschlägigen Frauenzeitschrift: immer lieb und piep, das kannste vergessen. Nicht mal die Leute, die in den Unternehmen am Empfang arbeiten, sind noch lieb und piep. So over, dieses “Lieb und Piep”.

Und was wäre jetzt noch das perfekte Accessoire fürs Shirt? Na? Genau. Die Nerdbrille. Muss aber nicht. Wer gerade keine zur Hand hat, kann sich auch mit einem großen Himbeereis behelfen. 12 Kugeln rotes Fruchtsorbet – ein besseres Accessoire wird man ja wohl kaum finden! So hübsch, oder?

Wäre natürlich von Vorteil, wenn man nicht unbedingt bei der Kreissparkasse Husum arbeitet. Liebe VJ´s und Stylisten bei MTV oder VIVA, für Euch wäre das Shirt doch was! Wenn Ihr es im Netz jetzt tatsächlich auftut (Ihr habt doch da so Eure Quellen und könnt das ganz anders recherchieren), bestellt Ihr mir dann unbedingt eins mit? Ich bin auch sofort bereit, das Porto zu teilen. Ach, was schreibe ich denn hier: ich bin auch sofort bereit, das Porto vollständig zu übernehmen. So super finde ich das Regenbogenshirt.

Jetzt muss halt nur noch jemand von uns das Teil überhaupt mal finden. Ich vermute, es ist aus einer längst ausverkauften Kollektion von “Forever 21″. Oder ein handbedrucktes Einzelstück von “Etsy” und kann womöglich NIE wieder hergestellt werden (wehe!).

Liebe VJ´s, please keep me posted on this one! Wie gesagt: das Porto lege ich schon mal raus. Kann meinetwegen sofort losgehen mit der Gruppenbestellung.

 

Eure
Regina Regenbogen.

 

// Fotos: Bandfotos von “Angus & Julia Stone”

Zitronensommer

Fragt mich nicht, wo die Zeit geblieben ist. Gerade war doch erst noch Ostern. Und – schwuppsdiwupps – ist schon wieder Hochsommer…

Wißt Ihr, worüber ich mich diese Woche so unglaublich freue? Über meinen Urlaub. Hurraaaa…

Ich bin nach Spanien gedüst. Die nächsten drei Wochen verbringe ich mit meiner Familie am Platja de Muro (auf Mallorca). Lesen, dösen, schwimmen. Ab und zu mal eine Wasserschlacht. Ich war wirklich lange nicht mehr am Strand. Hatte völlig vergessen, wie schön es ist, einfach mal völlig Stulle eine halbe Ewigkeit aufs offene Meer zu starren. Soooo super!

Wer viel arbeitet, kennt das Gefühl: nichts zu tun, das fühlt sich anfangs so an, als würde man etwas völlig verbotenes tun. Etwas, was eigentlich nicht okay ist.

Wer sein Tempo verlangsamt und  “nachlässt”, könnte am Ende nämlich womöglich noch völlig abschlaffen. Drei Wochen lang herumzuschlumpfen?  Das mochte ich vor meiner Abreise öffentlich gar nicht so richtig zugeben. Es ist auch nicht einfach, drei Wochen des Nichtstuns völlig konsequent durchzuhalten. Ständig möchte man von seinem Strandlaken aufspringen, etwas besichtigen, besorgen, etwas schlaues lesen, ein paar Emails schreiben oder etwas in Gang bringen. Wie schön ist es, wenn dieses rastlose Gefühl nach ein paar Tagen ein wenig nachlässt. Man muss nur stoisch dranbleiben. Am Nichtstun. Kommt einem nach all der Ackerei VOR dem Urlaub selbstverständlich noch einmal besonders absurd vor.

Wie muss das Nichtstun erst nach drei Monaten sein? Oder gar nach sechs? Der Designer Stefan Sagmeister hat sich alle sieben Jahre eine Arbeitsauszeit verordnet. Er lebt und arbeitet in New York und verbringt nach sieben Jahren jeweils 12 Monate in einem völlig fremden Land. Für seine vorige Auszeit zog er nach Bali. Die Auszeiten haben dem Renomée seines Designbüros daheim in New York (und auch seinem wirtschaftlichen Erfolg) ziemlich gut getan.

Wer einfach mal wegkommt vom MACHEN, hat nämlich irre viel Zeit zum DENKEN. Klingt platt. Ist aber so. Endlich gelingt es einem, fernab des täglichen Klein-Kleins auch mal größer zu denken. Und zwar: VIEL größer. Und freier.

Der Designer Richard Sagmeister nutzte die Auszeiten zu einer geistigen Entrümpelung, auf die ich fast ein wenig neidisch bin (wäre ich doch jemals nur halb so konsequent). Alle Jobs und Auftraggeber, die ihm aus der Distanz völlig bekloppt vorkamen, warf er über Bord. Alles, was keinen Spaß machte oder geschäftlich hinrissig war, sagte er ab. Klingt und liest sich total logisch. In den Alltag übertragen lässt sich dieser Mut trotzdem nicht so leicht. Wie viele Menschen arbeiten täglich in einem Job, der zwar nicht viel Spaß macht, aber finanziell extrem vernünftig ist. Ich weiß, wovon ich spreche. Hab´ ich jahrelang selbst so gemacht.

Neulich erzählte mir ein junger Entrepreneur bei einem Start-up-Treffen an der Berliner TU, er habe in der ZEIT gelesen, dass 80 % der Deutschen innerlich bereits gekündigt hätten. Und trotzdem würden sie jahrelang weitermachen. Es helfe ja nichts. Irgendwas müsse man ja arbeiten. Das fand ich extrem interessant. Seit der Gründung meines kleinen Unternehmens (von dem ich sicher noch immer nicht ganz leben kann) frage ich mich täglich: WIE will ich arbeiten? Mit WEM will ich zusammenarbeiten?  WOMIT verbringe ich 100 Prozent meiner Arbeitszeit? An welchen Dingen kann ich noch etwas verbessern? Wo kann ich noch etwas dazulernen?

Der Designer Sagmeister behauptet, wer sich geistig frei machen wolle, müsse sich vor allem auch aus seinem Arbeitsalltag ab und zu mal völlig befreien. Klaro: für mich als Freelancerin ist das eigentlich (von einigen Job-Absprachen abgesehen) easy. Für Freunde mit Kindern ist es dann nicht mehr ganz so einfach. Aber möglich ist es sicher immer.

Hey Ihr: it´s the holiday season! Nutzt die Zeit, macht Euch frei. Ist doch Sommer! Denkt an nichts. Werft Euch unter Eure Sonnenschirme. Und vertraut darauf, dass Euch beim Zitroneneis kaufen ganz nebenbei eine ganz plietsche Idee kommen könnten. It works! It always does.

Schöne Ferien Euch allen!

 

Wer Lust hat, kann sich während der Ferien auf youtube.com einen meiner Lieblings-Vorträge von Stefan Sagmeister ansehen:

Sagmeister über “The power of time off”. 

 

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Foto: Ist der Zitronenprint auf den Espadrilles nicht spitzenmäßig? Sie sind von meinem Lieblings-Label für Espadrilles, dem amerikanischen Start-up “Soludos”.

Blah, blah, blah.

Liebes Tagebuch,

habe heute die perfekte Kette für mich entdeckt. Sie ist aus der Serie “Sweet Nothings” des New Yorker Klamotten- und Schmuck-Labels “In god we trust”. In meinem Fall reicht jetzt auch erstmal so eine “Blah, blah, blah”-Kette, für alle anderen, weitaus – äh – emanzipierteren Sprüche bin ich ultrakonservative Nordfriesin einfach zu brav.

“Kiss me where I pee”, “Eat a dick”, “Fuck my face” und “Balls to the wall”, das sind so Sätze, die muss man mit einer gewissen Selbstironie tragen, die ich schlichtweg nicht besitze. Einen solchen Spruch tragen dann halt einfach die supermutigen New Yorkerinnen über ihre quietschbunten Polyester-Blusen aus der Secondhand-Halle “Beacon´s Closet”. Ich grunddeutsche Spießerin bekomme bei so viel Schlüpfrigkeit allein beim Lesen schon ganz rote Ohren.

Ketten-Sprüche von “In god we trust”, die ich mittlerweile ebenfalls im Auge habe, sind “Boring”, “Nope” und “Really fuckin´cute”. Wobei “really fuckin´cute” auch schon gleich zeigt, wie, ja, “cute” man sich selbst so findet. Käme dann auch gleich schon wieder so eitel. Hei, ei, ei. Ist das kompliziert. Ich bleibe jetzt bei “Blah, blah, blah”. Und damit basta.

Alle “Sweet Nothing”- Ketten auf einen Blick…

Foto: InGodWeTrustNYC