IN THE NAME OF LOVE: “Schatz, wollen wir mal wieder umziehen?”

PommesFrites

 

(Willkommen zur ersten Folge von “In The Name Of Love: Die deutsch-irische Beziehung. Die Kolumne erscheint ab sofort in unregelmäßiger Abfolge auf dem PETERSEN-Blog. )

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“In The Name Of Love”. Teil 1.

Schatz, wollen wir mal wieder umziehen? 

Wir wollen eigentlich nicht umziehen, aber manchmal wäre es eben doch ganz schön, noch ein viertes Zimmer zu haben.

„Ich hab`die perfekte Wohnung für uns gefunden“, sagt mein Mann und scrollt stolz durch die zehn Fotos, auf denen ein lichtdurchflutetes Dachgeschoss in Moabit zu sehen ist.

Ich schnappe mir sein Telefon. „Der Altbau kommt mir irgendwie bekannt vor?“ sage ich und zoome so dicht an den Grundriss heran, bis er schon ganz pixelig ist.

Zwei WhatsApps später stellt sich heraus, dass es tatsächlich dasselbe Mietshaus ist, in dem unsere sehr gute Freundin S. vor einer Weile die Wohnung einer Freundin einhütete. Unsere Freundin S. lebt mit ihrer Familie seit ein paar Jahren in Barcelona. Weil ihr Mann beruflich gerade unterwegs war, flog S. mit den beiden Jungs (4 und 6 Jahre) nach Berlin, um uns alle mal wieder zu besuchen.

Ihre Freundin war unterwegs. Deshalb hatte S. die Wohnung in Moabit mit den Kindern auch ganz für sich allein. Die Bude im Dachgeschoss muss echt der absolute Hammer gewesen sein. Bis S. eines nachmittags bei uns in der Küche von den Nachbarn erzählte.

„Tagsüber bin ich mit den Jungs ja eh immer unterwegs. Aber kaum setzen wir abends zu Hause einen Fuß in die Wohnung, klingelt das Paar aus der Wohnung unter uns auch schon an der Tür.”

„Ihr seid zu laut“, hatte die Frau, die in unserem Alter ist, geblafft. Meine Freundin warf einen unauffälligen Blick auf ihr Handgelenk. 20.15 Uhr. Ah ja. Moment! 20.15 Uhr???

Mochte ja sein, dass meine Freundin S. aus Barcelona mittlerweile anderes gewohnt war. Aber war Viertel nach acht in Deutschland denn jetzt das neue 22 Uhr?

Nein, war es nicht, beruhigten wir unsere Freundin schnell. Um Viertel nach acht musste man sich in  Berlin eigentlich für kaum etwas anblaffen lassen. Manch einer kam um diese Zeit doch erst von einer Party nach Hause, auf die er in der Absicht, nur mal kurz mit den Gastgebern anzustoßen, am Vorabend losgezogen war.

Von ihrer Freundin erfuhr S. später, dass die Nachbarin sich die Wohnung mit ihrem Mann zusammen gekauft hatte. Beim Kauf war ihnen leider nicht mitgeteilt worden, dass beim Ausbau der Wohnung über ihnen scheinbar ordentlich an Dämm- und Schallschutz gespart worden war. Jetzt hörten sie also jede einzelne Fruchtfliege, die in der Bude über ihnen vom Mülleimer auf den Holzfußboden plumpste, um dort auf der ungedämmten Diele vollgefressen einen fahren zu lassen.

Ich gebe meinem Mann das Handy zurück. Meine Skepsis steht mir wohl ins Gesicht geschrieben. Jedenfalls grinst er mich frech an und verkündet, dass er sich die Wohnung trotzdem mal ansehen werde.

„Gute Nachrichten!“ ruft er mir abends in Unterhose von der Couch aus über die Wochenend-Zusammenfassung der englischen Premier League hinweg zu. „Es ist nicht die Wohnung direkt über den Horrornachbarn. Sondern nur die daneben. Die Hoschis würden also nur schräg unter uns wohnen. Mit denen hätten wir gar nichts zu tun, Schatz.“

Dann macht er noch zwei übertrieben laute Knutscher in meine Richtung, was in unserer internen Pärchensprache so viel heißt wie “und auf das Argument, dass mich jetzt noch vom Gegenteil überzeugen soll, bin ich aber echt mal gespannt”. Er greift zur Fernbedienung, um die Glotze wieder lauter zu stellen.

Die Vorstellung, schräg über extrem lärmempfindlichen Leuten zu leben, finde ich zwar irgendwie beunruhigend. Aber das behalte ich lieber für mich. Neben diesem ultraentspannten Mann wirke ich aus irgendwelchen Gründen eh schon ständig, als gehörte ich eher zur “Glas Halbleer”-Fraktion, also zu all den anderen, deutschen Bedenkenträgern, die bei allem, was gerade erst begonnen hatte, Spaß zu machen, vor lauter Schiss sofort den Stecker ziehen.

Zwei Tage später steige ich also vollkommen unvoreingenommen aufs Rad, um mir selbst mal ein Bild von der Bude zu machen.

Die Maklerin, Mitte Fünfzig, dunkelblauer Hosenanzug, passende Pumps, Perlohrringe und blond durchgesträhnte Kurzhaarfrisur, kommt gleich zur Sache. „Die Wohnung ist wirklich ein Traum. 4 Zimmer, 2 Bäder, viel Platz auf der Dachterrasse, 115 Quadratmeter reine Wohnfläche, kleiner Hauswirtschaftsraum, Stauraum ohne Ende… Also, hier stimmt wirklich alles!“, sagt sie und breitet begeistert die Arme aus, so, wie es Angela Merkel in der “tagesschau” immer macht, wenn sie eine Gruppe Weltherrscher begrüßt.

Neugierig sehe ich mich um. Vier Zimmer wären eins mehr als bisher. Wir könnten es echt gut gebrauchen. Im Wohnzimmer ist ein offener Kamin eingebaut, in dem schon ein paar Holzscheite liegen. Im Winter könnt ich hier auf einem Sessel vor dem Feuer sicher stundenlang furchtbar wertvolle Romane lesen. Irgendwas von Henry James zum Beispiel, für den ich unter der Woche einfach nicht nötige Geduld aufbringe. Oder alle diese wundervoll traurigen Kurzgeschichtenbände von Alice Munro. Gedankenverloren trete ich an die bodentiefen Fenster. Auf der kleinen, quadratischen Dachterrasse vor mir sehe ich meinen Mann abends schon eine Handvoll Würstchen auf den Grill werfen.

„Haben die Leute, die hier vorher gewohnt haben, eigentlich irgendwas von den Nachbarn mitbekommen…“ frage ich beiläufig, während die Maklerin mir auf der teakholzgetäfelten Terrasse einen atemberaubenden Ausblick auf den Alexanderplatz und die Siegessäule zeigt.

„Ach, ob die hier ab und zu geklingelt haben? Von dieser Geschichte hat mir ihr Mann vorgestern schon erzählt. Nein, nein…,” winkt die nette Maklerin ab. “Die haben nicht ständig hier geklingelt. Also,… nicht, dass ich wüßte.”, fügt sie aber dann doch noch schnell hinzu. Freundlich zieht sie mich durch das Elternschlafzimmer ins daran angrenzende, kleinere Badezimmer, um mir die beiden “Zwillings-Waschbecken aus Naturstein” vorzuführen.

An den Rändern der beiden Naturstein-Waschbecken hat das Zähneputz- und Händewaschwasser über die Jahre leider schon so leicht milchig-weiße Ränder ins Holz gefräst.

Ich starre auf die häßlichen Wasserränder und überschlage im Hinterkopf direkt, wieviel es uns kosten würde, diese vollkommen unpraktische Waschtisch-Konstruktion eines Tages neu schreinern zu lassen. Ich kenne uns doch: keine zwei Wochen würden wir es durchhalten, das Ding jeden Abend nach dem Zähneputzen mit einer Handvoll Klopapier sofort wieder trockenzuwischen.

„Herzlichen Dank für die Besichtigung”, sage ich wenig später und lasse den Blick noch einmal durch die vollverglaste Wohnzimmerwand auf die Dachterrasse schweifen, auf den hellblauen Himmel über uns und auf die Bäume am Horizont, durch die vorhin die Siegesäule so golden hindurchglitzerte.

Im Treppenhaus stalke ich das Schuhregal des lärmempfindlichen Terrorpaars von unter uns. Zwei Paar Laufschuhe mittlerer Preisklasse, eine unbedruckte, eigentlich ganz okaye Fußmatte, ein blankgeputztes Messingschild mit den Nachnamen der Eigentümer. Bißchen spießig vielleicht. Aber eigentlich sieht der Krempel, der bei denen vor der Tür steht, ganz normal aus.

Beschwingt laufe ich die Treppe vom fünften Stock ins Erdgeschoss hinunter und sage mir, dass ich die Bedenken jetzt einfach mal alle über Bord werfen sollte. War doch eine Hammer-Wohnung!

Unten an den Briefkästen bleibe ich vor der Glasvitrine mit der Post von der Hausverwaltung hängen.

„Um die nachbarschaftliche Gemeinschaft wieder herzustellen, möchten wir darauf hinweisen, dass das Grillen im Sommer auf den Balkonen nicht öfter als 2 Mal im Monat zugelassen ist. Elektrische Grills sind von dieser Regel zwar ausgenommen, aber trotzdem sollte es untereinander Absprachen geben, um eine permanente Geruchsbelästigung der unbeteiligten Nachbarn zu vermeiden.“

Ich lese mir den Aushang einmal durch. Und noch einmal. Und dann raffe ich es endlich. Der Grill-Brief ist sowas wie ein Zeichen! Und das, was sich in mir regt, ist keine Bedenkenträgerei, sondern nur das pure Bauchgefühl. Wir werden hier einfach nicht reinpassen.

Mein Mann, seine Kids und ich, wir LIEBEN grillen. Im Sommer grillen wir nicht zwei Mal im Monat, sondern, wenn es draußen warm genug ist, oft auch zwei Mal am Tag. Gut, ich übertreibe hier jetzt ein bißchen. Aber Fakt ist: immer, wenn Würstchen im unteren Kühlschrankfach liegen, wird auch gegrillt. Ist eine unausgesprochene Familienregel.

Mein Mann legt beim Grillen meistens ein paar Schallplatten auf. Und Zimmerlautstärke kann man das, was da aus den Boxen herauskommt, eigentlich nicht mehr so richtig nennen. Ich glaube also kaum, dass wir die erste Seite der letzten „Daft Punk“-Platte überhaupt schon einmal umgedreht hätten, bevor es bei uns an der Tür Sturm bimmeln würde.

Mit einer Würstchensemmel in der Hand müssten mein Mann oder ich uns im Treppenhaus von den lärmempfindlichen Nachbarn von schräg unter uns oder von den grillempfindlichen Wutbürgern aus all den anderen Etagen zur Schnecke machen lassen. Sicher läge es an den Würstchen. Oder an der Musik. Oder am Ende doch nur daran, dass man so dreist wäre, sein Leben einfach ein bißchen zu genießen. Dass man die Muffen hätte, mal ein winziges bißchen über die Stränge zu schlagen in diesem Leben, dass ja so irre lang am Ende dann auch wieder nicht ist.

Als ich meinem Mann zuhause von dem Grillaushang erzähle, plumpst ihm fast der Topf mit der Béchamelsoße in die halbfertige Lasagne. „Also wenn wir uns eins nicht verbieten lassen, dann ist es ja wohl das Grillen“, sagt er fassungslos und rollt dabei das „R“ in „Grillen“ schon wieder so zauberhaft in seinem irischen Akzent, dass ich ihn ganz schnell an mich drücken muss.

(Foto: hausgemachte Pommes á la casa O’Connor)

Schwachsinnige Streitereien

PS I love you Hilary Swank Gerard Butler

Immer, wenn ich für ein paar Tage allein zuhause bin, lasse ich mich so richtig gehen. Ich wasche meine Haare nicht mehr. Ich stelle meinen Wecker nicht mehr. Und ich schlafe so lange aus, bis man das, was ich mir im Stehen an der Arbeitsfläche in der Küche reinschiebe, schon nicht mal mehr Frühstück nennen kann. Und weil es ja keiner mitbekommt, esse ich morgens, mittags und abends abwechselnd Butterbrote mit Käse oder Butterbrote mit Marmelade oder Butterbrote mit Käse UND Marmelade. Herrlich.

Das Allerbeste am Alleinsein ist: endlich quatscht einem keiner mehr in das Netflix-Programm. Im Ernst jetzt! So schön das Zusammenwohnen als Paar die allermeiste Zeit ist, die Tatsache, dass wir uns bis in alle Ewigkeit darüber abstimmen müssen, welche Filme wir abends streamen, kann auch mal ein echter Downer sein. Im besten Fall endet es damit, dass ich mich von meinem Mann stundenlang in irgendwelche Serien reinquatschen lasse, die ich zwar ursprünglich nie hatte sehen wollte, hinterher aber noch viel süchtiger bin, als er selbst.

Einige verbringen ja aus genau diesem Grund den ganzen Abend in getrennten Zimmern. Dauerhaft. Sie im Wohnzimmer vor der Glotze und er im Arbeitszimmer vor der Glotze. Diese Abmachung klingt im ersten Moment total super. Eingeführt haben wir sie aber trotzdem noch nicht.

Vor ihm würde ich es niemals zugeben, aber ich habe einfach zu viel Schiss, dass all diese Abende vor getrennten Fernsehern mir eines Tages, wenn mein Mann mit einer 21-jährigen Projektmanagerin mit “Brazilian Landing Strip”, champagnerfarbenem iPhone und dem IQ von einer Schreibe Toastbrot durchbrennen sollte, noch einmal ganz schlimm vorgeworfen werden könnten.

Das kennt man ja aus der Paartherapie: bei den meisten Dingen, die man sich hinterher auf quietschgrünen Sesseln im Beisein der Therapeutin vorwirft, wußte man eigentlich vorher, also während man sie tat, dass sie jetzt nicht so unbedingt der Bringer für die Beziehung sind.

Weil mein Mann (die allermeiste Zeit) ein sehr netter und humorvoller Mensch ist, empfahl er mir vor einigen Monaten sonntags beim Frühstück ein richtig spannendes Interview mit Cecelia Ahern auf dem Podcast “An Irish Man Abroad”. Und weil ich mir nach unserer Hochzeit im letzten Sommer vorgenommen habe, (die allermeiste Zeit) eine sehr nette und humorvolle Ehefrau zu sein, höre ich mir das, was mein Mann empfiehlt, mit etwa viermonatiger Verspätung auch hin und wieder mal an.

Cecelia Ahern spricht in diesem Interview mit Jarlath Regan über die Zeit während ihres Studiums, in der sie an Panikattacken erkrankte und ihre Dubliner Wohnung nicht mehr verlassen konnte. Wochenlang schloß sie sich zuhause ein. Und weil sie einfach etwas dagegen tun musste, um in ihrer kleinen Wohnung nicht verrückt zu werden, schrieb sie in nur drei Monaten ihr erstes Buch “P.S. I Love you”.

Das Interview mit Cecelia Ahern hat mich so fasziniert, dass ich gestern Abend beschloß, mir den Film “P.S. I Love You” anzusehen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich den Hauptfiguren ihre Geschichte abnehmen oder nach einer Viertelstunde mit einer angebrochenen Tüte Chips im Gesicht auf der Couch einpennen würde.Und dann kam es vollkommen anders.

Ab Filmminute 2 habe ich nur noch durchgeheult. Der Film zeigt, wie es ist, wenn einem der Ehemann viel zu früh wegstirbt (Gerry ist in diesem Film gerade mal Anfang Dreißig). Schlimm genug, dass Gerry nun also direkt nach den ersten Filmminuten schon wieder aussteigt. Hinterher trifft ab jetzt auch noch jeden Monat ein unfaßbar schöner Brief von ihm ein. Diese Briefe, die er seiner Frau heimlich vom Krankenbett aus schrieb, bevor er verstarb, sollen ihr Monat für Monat über seinen Tod hinweghelfen.

Als der Film zuende war, schmiss ich etwa hundertvierzig vollgeschneuzten Tempotaschentücher in den Müll und wäre im Bad beim Lichtmachen beinahe selbst abgekratzt, so sehr erschrak ich darüber, wie krass “Anton-der-kleine-Vampir”-mäßig meine Wimperntusche beim Heulen im Gesicht verschmiert war.

Beim Abschminken berappelte ich mich wieder. Ich war plötzlich froh darüber, dass ich noch lebte. Und dann war ich froh darüber, dass mein Mann noch lebt. Und dann war ich plötzlich gar nicht mehr froh, weil mir in diesem Augenblick einfiel, dass ich ihn wegen so vieler Kleinigkeiten oft ganz schön anzoffe.

Auf dem Weg ins Schlafzimmer schickte ich ihm ganz viele Herzchen und Emojis und bekam auch sofort ein paar von ihm zurück. Und dann schickte er mir Fotos aus der Kneipe (auf denen ein paar Gläser Guiness und dahinter verschwommen sein Bruder, ein guter Freund, der Barmann und keine einzige gewaxte Projektmanagerin zu sehen waren).

Ich schwor mir, mich nie mehr mit ihm über so unsinnige Dinge wie das Fernseh-Programm zu streiten. Als ich im Bett lag und die rechte Seite neben mir leer blieb, weil mein Mann gerade in einem ganz anderen Land in der Kneipe saß, da ahnte ich, dass wir die schwachsinnigen Streitereien untereinander irgendwann einmal vielleicht ganz schrecklich bereuen könnten. Mindestens so sehr, dachte ich, wie Holly sie in “P.S. I Love You” bereute. Und dann knipste ich das Licht aus.

Foto: Warner Bros. Pictures, Momentum Pictures

 

Brides to be

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In diesem Frühling denke ich an die “brides to be”. An alle, die in diesem Jahr heiraten werden. Ich weiß, es klingt pathetisch, aber ich schreibe es jetzt trotzdem: Leute, wenn es Liebe ist, dann tut es! Weil heiraten so schön ist. Weil es hinterher so irre schön ist, verheiratet zu sein. Und weil man nach der Hochzeit sogar noch ein winziges bißchen mehr ineinander verliebt ist, als man es vorher war. Das nahm ich all denen, die es mir vor meiner Hochzeit erzählten, nicht so richtig ab.

Was soll denn so ein offizieller Termin an unserer Liebe ändern, fragte ich mich. Und dann stimmte es wirklich! Dann änderte dieser Termin tatsächlich ein bißchen was an unserer Liebe. Sie fühlt sich noch ein wenig verbindlicher an. Und zwar auf eine gute Art verbindlich.

Selten kommt es vor, dass ich nachts wach liege und ins Dunkle starre, weil die Liebe meines Lebens sich unglücklich auf die Seite legte, bevor sie einschlief und mir nun alle 3,5 Sekunden leise ins Ohr schnauft, während ich einfach nicht abschalte und einschlafe und etwas tue, was ich nachts vom Bett aus eh nicht ändern kann, also so etwas wie an all die E-Mails denken, die ich an diesem Tag nicht mehr beantwortet habe.

In diesen Momenten, in denen ich so völlig grundlos vor mich hinstresse, liege ich neben ihm und summe “Land unter” von Herbert Grönemeyer. Ich summe ganz leise ins Dunkle hinein und kann Grönemeyer’s Stimme beim Summen fast hören. Die Stimme eines Sängers, der die Zeile “Hab keine Angst vorm Untergehn” so warmherzig und ergreifend singen kann, dass mein rasendes Herz gleich etwas ruhiger schlägt. In einem Takt, der sich total richtig anfühlt. In einem Bett mit einem Mann, der jetzt “mein” Mann ist. Und der sich auch total richtig anfühlt.

Und dann fürchte ich mich vor nichts mehr. Weil es ja auch gar nichts bringt, sich davor zu fürchten, dass wir den Kampf gegen das E-Mail-Postfach eines Tages verlieren werden. Oder, dass glückliche Tage irgendwann enden könnten.

Dann denke ich an Grönemeyer’s bezaubernde Zeilen.

“Der Wind steht schief
Die Luft aus Eis
Die Möwen kreischen stur
Elemente duellieren sich
Du hältst mich auf Kurs
Hab keine Angst vor’m Untergehn
Gischt schlägt ins Gesicht
Kämpf mich durch zum Horizont
Denn dort treff ich dich.”

Hach, Gänsehaut, wenn ich nur an dieses Lied denke. Am schönsten ist es in der “Live”-Version. Schaut mal, hier gibt’s ein Video…

Also, liebe “Brides to be”. Wenn ich nicht schon verheiratet wäre, dann wäre das wunderschöne “Daisy Cape Dress” aus der “Sans Souci”-Kollektion etwas für mich:

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Ist Euch zu geblümt? Wie wäre es denn dann mit diesem hier?

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Es heißt “Callas”.  (Und sagt das nicht schon alles, was man über ein Kleid wissen muss?!) Ist es nicht wunderschön?

Das Hochzeitskleid, das ich im vorigen Sommer trug, verdanke ich übrigens meiner großartigen und stets top informierten Freundin Alexa. Sie schickte mich im Februar letzten Jahres auf einen “Kaviar Gauche”-Sale in die Luckenwalder Straße und sparte mir mit diesem Tipp eine unfassbare Stange Geld, die ich sofort in ein paar Glitzer-Pumps für die Hochzeit steckte. Danke, liebe Lexi! Danke, danke, danke.

Und jetzt höre ich mich noch ein bißchen durch die alten Grönemeyer-Platten.

Habt einen glitzernden Februar!
(Und denkt nachts nicht an Eure E-Mails. Werde ich auch nicht mehr so viel tun, versprochen.)

Fotos: Kaviar Gauche

Raumschiffe fliegen lernen

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Foto: hellopetersen auf Instagram

“Warum spielen wir nicht mal wieder etwas zusammen?”, fragten die Kinder am Wochenende und zogen das Star-Wars-Puzzle aus dem Schrank, für das sie im vorigen Jahr noch etwas zu klein waren.

Der jüngere trug das Puzzle in die Küche und setzte sich auf seinen Kinderstuhl. Dann kam der ältere dazu.

Ich stellte ein paar Kekse auf den Tisch und dachte plötzlich an Natalie Portman.

Portman spielt in “Star Wars” die großartige Padmé Amidala. Immer, wenn ihr langweilig ist, braust Padmé mit dem “Millenium Falcon” durch das Weltall. Nie fragte sich Padmé, ob sie es überhaupt schafft, das größte Raumschiff aller Zeiten zu lenken? Oder ob ein Mann das alles vielleicht viel besser könnte?

All diese Fragen stellt sich Padmé, während sie so im “Millenium Falcon” sitzt und dabei zusieht, wie am Fenster gerade in Lichtgeschwindigkeit die Milchstraße an ihr vorbeirast, ganz sicher nicht.

Padmé tut es einfach. Sie zögert nicht lang, sondern wirft sich auf den verschlissenen Pilotensitz, drückt ein paar Knöpfchen und dann hebt der Flieger auch schon ab.

Ich setzte mich zu den Jungs. Die Kinder öffneten den Karton, kippten die Puzzleteile aus und fragten mich, ob ich mit dem Rand beginnen könnte. Klar konnte ich das!

Während wir Kekse aßen und lospuzzlten, dachte ich an Padmé. Wenn ich mir in Zukunft ein bißchen was von ihrer Attitude abschaute, dachte ich, dann sähen meine Tage vielleicht schon bald ganz anders aus.

Sommer im Rheinland

Duesseldorf Rhein 2016

 

Sommer. Der Duft von frischgemähtem Rasen und Sonnencreme auf der Haut. Das Rot der pürierten Erbeeren auf dem Spaghetti-Eis. Und jedes Jahr wieder: die ebay-Recherche nach K-Jaques-Sandalen, verblichenen Espandrilles und Vintage-Sonnenbrillen.

Das kaum getragene Brillenmodell “Audrey”  von Céline, das ich bei einer jungen Verkäuferin in Budapest ergatterte. Die 150,- Euro, die ich blitzschnell überwies und mir hinterher nicht sicher war, ob ich nun unglaublich clever oder unglaublich blauäugig gehandelt hatte. Die Erleichterung, als der UPS-Bote tags darauf bereits an der Tür klingelte und mir das kleine, zauberhaft verpackte Express-Paket überreichte. Mein Summer-Look seither: XXL-Brille, olle, schwarz- verblichene American Aparel-Leggins und ein strähniger Haar-Knoten auf dem Kopf.

Mein zweiter Sommer am Rhein! Die Rheinwiese, das Sommerufer. Abends nach der Arbeit noch ewig im Gras zu hocken und quer durch die Kindle-App-for-iPhone zu lesen. Das Schokoladeneis von “Pia”-Eis in der Kasernenstrasse, es ist in diesem Jahr meine Lieblingssorte. Die Abendsonne, die die Beine in den hellblau-verwaschenen Jersey-Shorts immer wieder nachbräunt.

Überhaupt! Auf der Rheinwiese den Sommergedanken nachzuhängen.

Die Spatzen, wie sie auf dem Dach der Kunsthochschule so unablässig den Sommer bejubeln.

Und meine winzige “Straße”: drei Häuser und eine prächtige Kunstakademie, aus der es, wenn die Fenster weit offen stehen,  herrlich vertraut nach Ölfarbe und Terpentin herausdünstet, nach Schweiss, Talent und frischbemalter Leinwand. Ein Geruch, den ich immer mit Düsseldorf zusammenbringen werde.

Aus dem Off die klapprige Straßenbahn, die alle 12 Minuten über den breiten Fluss zuckelt und in Oberkassel bei den Zwergkaninchen hält.

Bei den kleinen, flauschigen Wesen, die mit beiden Pfoten Löcher in den Rasen buddeln und mit den Hinterläufen einen aberwitzigen Sandstrahl in die Luft jagen.

Das Licht über dem Rhein, spät abends, wenn der Himmel von Rosé über Hell-Lila ins Blauschwarz abtaucht. Die Nacht über dem Fluss und die Kraft, die er im Dunklen noch besitzt.

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Und Ihr? Habt Ihr auch gerade eine zweite Stadt, in der ihr viel Zeit verbringt?

Foto: petersen_melanie via Instagram

Happy, happy

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Gestern war es mal wieder soweit. Ich feierte meinen Geburtstag. Aus Furcht, mir könnte während der Arbeitszeit etwas schiefgehen, verbrachte ich den Ehrentag in diesem Jahr lieber nicht im Büro.

Wäre es nicht ärgerlich, morgens in Champagnerlaune in die Firma zu düsen und gegen Mittag an einem verstopften Kopierer zu verzweifeln?

So sehr ich mich auch freue über selbstgebastelte Gutscheine, selbstgebackene Kuchen und selbstgesungene Ständchen – wenn der Kopierer streikt, kann man die Partylaune der geladenen Kollegen aber mal ratzfatz in den Papier-Schredder schieben.

Auch ist der Kopierer ein nicht ganz ungefährliches Gerät. Wie oft brach ich mir beim Öffnen von “Seitenfach F” einen Fingernagel ab? Wie oft verbrannte ich mich im Inneren der Maschine an einer heißen Walze oder schnitt mir beim Herausfummeln einzelner, messerscharfer Papierfetzen in den Zeigefinger?

Wer viel Zeit in der Firma verbringt, weiss: Alltag im Büro ist auf seinem beschränkten Handlungsraum zwischen Schreibtisch und Rollcontainer, Konfi, Kaffeeküchte und Klo zwar oft unglaublich spaßig, aber nicht unbedingt eine Aneinanderreihung sagenhafter Sternstunden.

Nicht alle 365 Bürotage im Jahr (minus 52 Wochenenden und 30 Urlaubsstage) liefern nonstop Stoff für scharfsinnige Sitcoms.

Weder wird im Büro ständig gut gekleidet die Welt regiert ( “House of Cards”), noch wird Cognac und Whiskey aus Kristallschwenkern gepichelt oder auf durchgesessenen Zweisitzern ein Nickerchen gehalten (“Mad Men”). Bedauerlicherweise pferchte sich in meinem Beisein auch noch kein Abteilungsleiter einen tausend Euro teuren Massagestuhl ins winzige Zimmer (“Stromberg”).

Dafür wurden einige meiner Chefs von Kollegen verehrt wie eine Art Übervater (ähnlich wie Martin Sheen als POTUS in “The West Wing”). Kaum ein angeschmachteter Vorgesetzter konnte allerdings über Monate hinweg das Gag-Niveau der lustigen Julia Louis-Dreyfus halten (“The Veep”) und wenige waren so sexy wie mein Lieblings-TV-Anwalt, der testosterongesteuerte Ari Gold  aus “Entourage”. Nicht extra betont werden muss wohl, dass manche sich jedoch für mindestens so sexy hielten.

Es liegt also auch am Personal, das nicht alle Arbeitstage das Zeug dazu haben, Fernsehgeschichte zu schreiben.

Und gibt´s nicht einen besseren Schauplatz für die Geburtstags-Feierei?  Mein Lieblingssetting ist immer noch: die eigenen vier Wände.

Ist es nicht so viel besser, den Ehrentag bis weit in den Vormittag hinein im Bett zu verbringen? Und ist es nicht viel entspannter, irgendwann kurz vor der Mittagszeit in Richtung Frühstückstisch zu bummeln, barfuß, ungeduscht und mit Pumuckel-Haaren? Ist es nicht wunderbar, im Pyjama am buntgeschmückten Tisch eine Kerze auszupusten und sich voll stummer Vorfreude etwas für das gerade erst begonnene Lebensjahr zu wünschen?

Die besten Geburtstage sind eben die, an denen Zeit ist für Pyjamaparties am Küchentisch. Zeit, um nach dem Pusten noch zwei Atemzüge lang in den Kerzenrauch hineinzuschnuppern. Zeit, sich darüber zu freuen, dass man diesen besonderen Tag überall feiert, nur eben: nicht im Büro.

Viel Zeit, die Office-Sitcom also einfach mal auszusetzen und bei Kerzenschein einen Kuchen anzuschneiden mit einem Menschen, der einem sehr wichtig ist.

 

Foto: TheGlitterGuide via Tumblr

Zurück

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Ich dachte, ich melde mich mal wieder zurück. Ein Jahr lang schrieb ich nichts, völlige Stille. Ich postete nicht mal einen Lieblings-Song. Im Herbst dachte ich noch: so geht´s doch nicht weiter. Und dann kam der Winter. Und es war genau so weitergegangen. Ich hatte keine einzige Zeile geschrieben.

Im Frühling raffte ich mich auf. “Jetzt geht´s hier endlich wieder los”, nahm mir vor. Und dann? Dann wusste ich erstmal nicht so richtig, wie.

Ich mochte nichts, was ich so zusammentippte. Nach einem langen Tag im Büro war ich abends müde, oft auch einfach zu faul. Ich kramte lieber im Kühlschrank herum, aß Milchschnitten und verbrachte endlose Stunden auf Modeseiten im Netz. Dinge, man halt so macht, wenn man unter der Woche in seiner “Dienstwohnung” hockt.

Aber jetzt ist er zurück, der Sommer. Und hier wird’s auch endlich wieder weitergehen.

In den nächsten Wochen berichte ich darüber, wo ich in letzter Zeit so steckte (meistens in meiner neuen Zweit-Heimat Düsseldorf), warum ich nicht mehr schrieb (weil ich einen irre aufregenden Job antrat) und was ich in den letzten 52 Wochen so erlebte (superviel!).

All das, ab sofort, genau hier. Ich freue mich auf Euch!

Habt einen entspannten Start in den Sommer. Bin ICH froh, dass er wieder da ist.

Foto: Smallgirlblogging via Tumblr

El Hierro

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Im Frühling entdeckten wir “El Hierro” für uns. Die kleinste der Kanarischen Inseln, die wir nach einem kurzen Zwischenstop in Teneriffa´s Hafenort “Los Cristianos” erreichten, hat uns nach einem langen Berliner Winter schwer begeistert.

Wir schliefen uns nach unserer Ankunft auf der Vulkaninsel zwei Tage kräftig aus, lasen zwischendrin, was die e-book-Bibliothek auf dem iPad so hergab, futterten vor Ort viel Fisch, regionales Gemüse und typisch kanarische Süßspeisen (Mandel-Griessbrei!).

Dann sahen wir uns auf der Insel um. Für Christoph Kolumbus ist El Hierro während seiner zweiten, großen Reise die letzte Station in Europa gewesen, bevor er mit seiner 17 Schiffe umfassenden Flotte während eines kräftigen Passatwindes in die “Neue Welt” übersetzte. Es liegt sicher am energetischen Vulkangestein, dass die kleine Insel trägt: nach anderthalb Urlaubstagen kommt eine innere Unruhe auf, die sofort produktiv nutzen möchte. Wer kreativ ist, will jetzt was entwerfen und entwickeln. Der Autor schriebt etwas auf. Jung-Unternehmer kommt der Perspektivwechsel für geschäftliche Entscheidungen sehr zugute. Der günstige Wind, der Columbus und seine Crew vor hunderten von Jahren schon in eine neue Himmelsrichtung schob, er gab unseren Ideen auf der Insel einen enormen Rückenwind.

Die Natur ist üppig und grün (es regnet eben hin und wieder auch mal ein bißchen). Wer Lust hat, fährt durch riesige Mango- und Bananenplantagen an die Küste und schaut am Kliff stundenlang über das laute, brausende Meer.

Die Einwohner sind herzlich und entspannt. Autos, Haustüren und Fahrräder werden nicht abgesperrt – wo sollte ein Dieb mit dem gestohlenen Mietwagen denn schon auch hinfahren? Wer allein reist, fühlt sich in der Gemeinschaft der Insulaner sicher und gut aufgehoben.

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W O H N E N :  im “El Sitio” im Ort Frontera bei Sabine Willmann. Sie ist vor vielen Jahren nach El Hierro ausgewandert und weiß genau, was man sehen muss und wo man gut isst und trinkt. (www.elsitio-elhierro.es/descripcionale)

M I E T A U T O : Braucht man es? Ja! Ein kleines reicht (ca. 25,- Euro am Tag).

U N D  W A R U M … ausgerechnet nach El Hierro ?
Weil El Hierro inspiriert. Es dauerte keine 2 Tage, da sprudelten genau DIE Ideen, für die es manchmal eben einen besonders abgelegenen Ort braucht. Klar, die Anreise dauert einen ganzen Tag. Aber dann! El Hierro ist die Insel für all die Fragen, die in unseren Herzen schlummern. Unter dem großen, endlosen Himmel, der Stunde für Stunde anders, aber immer so aussieht, als habe ihn der englische Künstler William Turner geradewegs für uns gemalt, kommt so eine Art “Insel-Spirit” auf, der uns in Gleichklang brachte. Klingt alles ganz furchtbar spirituell, völlig richtig! Vielleicht ein Satz zum Abschluss: auch unspirituell hat man auf El Hierro einfach eine richtig gute Zeit.

U N B E D I N G T  M A C H E N:  mit dem Mietauto hinauf zur Kapelle “Ermita de los Reyes” fahren und die “Virgen de los Reyes”, die Madonnenfigur über dem Altar besuchen. Wenn die Kapellentür offensteht, kann die kleine “Virgen” vom Altar aus ganz weit hinaus aufs Meer schauen. Sie hat einen sehr schönen Platz dort oben. Alle vier Jahre wird die kleine Madonnenfigur ins Freie getragen und von den Insulanern während einer bunten Prozession viele Kilometer lang tanzend und singend über die Insel getragen. Es wird laut getrommelt und geflötet. Während dieser Zeit ist El Hierro völlig ausgebucht. Viele Kanaren, die El Hierro irgendwann den Rücken kehrten, kommt für diese Prozession von überall aus der Welt zurück auf ihre Insel.

Foto:  PETERSEN

Hobby-Detektive

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Erinnert Ihr Euch noch an unsere Pullis mit dem “oui”-Aufdruck ? Genau! Das waren die Sweatshirts, die man uns kurz vor Weihnachten mit Karacho aus dem Onlineshop kärcherte. Und das auch aus gutem Grund: das Markenrecht für “oui” gehört seit vielen Jahren einem sehr etablierten, deutschen Modeunternehmen.

Weil die Pullis so irre gut bei uns im Online-Shop gelaufen waren, hatte ich im vorigen Winter  die Idee, in einer illegalen Aktion noch weitere, ahnungslose Marken raubzukopieren. Diesmal wollte ich mich an Pullis mit dem Aufdruck “Céline” wagen.

Allein würde ich es nicht schaffen. Ich beauftragte also einen Headhunter, der mir nach einem zeitintensiven Recruiting-Prozess empfahl, die Top-Talente Tim, Karl, Klößchen und Gabi bei PETERSEN anzustellen (Gabi brachte noch den Raubkopier-Bürohund Oskar mit). Bevor sie Ihren Arbeitsvertrag mit unsichtbarer Detektiv-Tinte unterschreiben durften, mussten die vier Kids zwei unfassbar förmliche Bewerbungsgespräche mit mittelwichtigen Executives von PETERSEN überstehen und eine halbstündige Strategie-Präsentation zur Neuausrichtung des Markenraubkopiergeschäfts ausarbeiten.

Hinterher konnte ich das Gehalt der vier Hobby-Detektive noch um ein Drittel herunterhandeln. Unter Protest zwar, aber hatten sie eine Wahl? Ich kürzte auch die Urlaubstage noch auf insgesamt 12 Stück zusammen (“Heiligabend ist ein zusätzlicher Urlaubstag, also kommt man am Ende auf 13 Feiertage, wenn Heiligabend nicht auf ein Wochenende fällt. Leute, supercool, oder?”). Ich stellte ihnen einen befristeten 1-Jahresvertrag mit einer Probezeit von 6 Monaten aus. Nicht, dass die vier neunmalklugen Knirpse sich einbildeten, sie könnten ausgerechnet in der Berliner Digitalbranche einfach mal so easy-popeasy unbefristet festangestellt werden. Wer nicht weiß, ob sein befristeter Vertrag wieder verlängert wird, arbeitet doch einfach viel effektiver, ist seltener krank, lungert nicht ständig an der Kaffeemaschine herum, beschwert sich nicht über seine inkompetenten Kollegen, hat nicht dauernd die Social Media-Webseite mit blauem Balken am Rand offen, traut sich schon mal gar nicht, vor 19.30 Uhr Feierabend zu machen und bastelt keine merkwürdigen Urlaubs-Konstruktionen um Brückentage herum. Einen besseren Standort für mein Raubkopier-Business konnte ich also innerhalb Deutschlands  gar nicht finden. Ich überwies meinem Headhunter für seine ausgezeichnete Arbeit 150.000 Euro plus Bonus, überließ ihm für eine Woche mein Ferienhaus samt Personal auf Ibiza und war fortan die glücklichste Arbeitgeberin der Stadt.

Während unserer morgendlichen Detektiv-Meetings planten Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ich bei Kakao und rosinenfreien Milchbrötchen das wildeste Markenkopie-Konglomerat seit Zerschlagung des Fälschungsrings um die “Windsurfing Chiemsee”-Pullis. Tim hatte uns auf ebay den Account “cELineBeRlin” gesichert. Wir fünf warteten im Prinzip auch nur noch darauf, dass die neue Ausgabe des Y.P.S.-Magazins auf den Markt kam, in der es eine ausfaltbare Siebdruckmaschine aus Well-Pappe für unseren Konfi geben sollte. Diese Ausgabe musste jeden Moment am Kiosk erscheinen. Als wir bereits kostbare Wochen verloren hatten, schrieben wir einen ungeduldigen Leserbrief an die Y.P.S.-Redaktion.

Wenig später traf Post aus München ein. Nicht -wie erhofft – von Y.P.S. Sondern von einem sehr seriösen Modeunternehmen. Wir sollten doch bitte die Raubkopiererei mit den Pullis mal so langsam einstellen. Man habe unser freches Gefälsche aus der Ferne schon länger beobachtet und mittlerweile die “Drei Fragenzeichen” auf uns angesetzt. Wenn es mit unseren Fake-Pullis so weiterginge, würde man aus Rocky Beach demnächst mal jemanden rüberschicken, der uns unsere Detektivkoffer zockte und meine treuen Mitarbeiter Tim, Karl, Klößchen und Gabi nach Feierabend zur Gründung eines Betriebsrats anstiftete. Und dann könne ich neoliberale Start-up-Angeberin aber mal sowas von einpacken.

Was macht die Jungunternehmerin mit irre viel Ambition und großer Klappe, wenn sie Post vom Amt bekommt? Sie gibt sofort klein bei. Hey, nicht, dass mir mein hippes Detektivteam noch abhanden gekommen wäre. Und wer hätte mir morgens im Büro denn meine “Flat Whites” an den Eiermann-Tisch gebracht? Ich milchschäume doch an der Küchenzeile nicht stundenlang selbst herum. Ich bin mir sicher: nicht mal Oskar, den verlausten Raubkopierhund, hätten die undankbaren Kids mir dagelassen.

Ich unterließ also sofort die Produktion von Pullis mit französischen Vokabeln auf der Brust. Meine Co-Worker blieben dort, wo sie waren: in meinem Konfi. Ich terrorisierte sie allerdings nun nicht mehr so oft mit kleingeistigen, unnötigen Team-Meetings. Gabi und Hund Oskar brachten während einer Besprechungs-Pause alle verdächtigen Textilien in ein Tierheim, wo diese kurzerhand zu Kuscheldecken für ausgesetze Hundewaisen umfunktioniert wurden und man uns für unsere großzügige Spende mit einem sehr wichtigen Berliner Tier-Charity-Preis auszeichnete. Die viralen Marketing-Maßnahmen zu unserem Charity-Event, die meine vier Digital Natives mit ein paar steinalten Laptops kostengünstig inhouse selbst produzierten, bescherten uns über Nacht grandiose 100-k neue Instagram-Follower.

Die Stimmung besserte sich! In der folgenden Woche gab Klößchen zum allerersten Mal eine ganze Tafel Schokolade aus. Unser Raubkopier-Hund Oskar zerlegte unter dem Konferenztisch einen Kauknochen, den er sich brav von seinem ersten, eigenen Hunde-Gehalt bei PETERSEN gekauft hatte (man kann den jungen Leuten ja jetzt auch nicht immer ALLES bezahlen). Und Tim, das crossmediale Ausnahmetalent, stellte uns eines Abends eine neue Strategie für unser Unternehmen vor.

Zum Jahreswechsel gründeten wir ein über die Samwer-Brüder (Jamba, Zalando, Rocket Internet) voll durchfinanziertes Start-up. Unsere Geschäftsidee: eine Frühstücks-Lieferservice-App für warmen Kakao und rosinenfreie Milchbrötchen. Wir raubkopierten diese Business-Idee so ein bißchen von unserem Freund Flori vom “Joris” (Brunnenstrasse 158, Berlin). Der heiße Junggastronom war noch keine Dreißig und hatte gerade seine zweite “Joris”-Dependance eröffnet, diesmal eine in Hamburg (in der City Nord). Und was DER mit Ofenkartoffeln und Salat konnte, das würden wir – Tim, Karl, Klößchen, Gabi und ich -, mit Kakao und Milchbrötchen ja wohl auch noch hinkriegen.

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In diesem Monat gratulieren wir:

Flori vom “Joris”! In der Hamburger City Nord hat er sein zweites Restaurant eröffnet!
Liebe Hanseaten, schaut dort unbedingt mal vorbei und grüßt ihn sehr herzlich von uns: “Joris Hamburg”, Mexikoring 19

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In diesem Monat gelesen:

“Lean in” von Sheryl Sandberg

Ein Buch, das Kika von der “Raetherei” und Susanna R. unabhängig voneinander in derselben Woche empfahlen. Ich hatte es einige Monate zuvor kurz angelesen und dann in mein Buchregal geschoben. Jetzt laß ich den Rest. Sheryl, you go, girl!).

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In diesem Monat gesehen:

die ersten Folgen der 3. Staffel von “House of Cards”.

Wie das hier in Deutschland möglich ist? Das haben mir Lotta, Jessica und Christoph neulich erklärt: 1. anmelden bei “Netflix”-Deutschland. 2. ein einschlägiges Programm aus dem Netz herunterladen, welches die deutsche IP-Adresse unseres Rechners verbirgt (wie, weiss jeder Nerd im Freundeskreis). Und dann viel Spaß mit “House of Cards”! Am besten, man loggt sich für “House of Cards” über die amerikanische Netflix-Seite ein (netflix.com).

(Wenn´s nicht klappt, hilft ein Rechner-Neustart oder ein Browser-Wechsel. Es ist aber wirklich einfach!)

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In diesem Monat wiedergehört:

“Mykonos” von den Fleet Foxes. Weil wir Griechenland so lieben – und dies in den letzten Wochen aus aktuellem Anlass noch ein bißchen mehr. Deshalb heißt unsere neue, schwarz-weiss gestreifte Strandtasche auch “Mykonos”. Und wer noch keine Urlaubspläne hat, fährt in diesem Jahr unbedingt mal hin. EasyJet fliegt einmal die Woche direkt nach Mykonos-Stadt. Wir waren vor 2 Jahren im September dort und fanden es herrlich!

Warum ich ursprünglich unbedingt nach “Mykonos” wollte? Weil damals kein Tag verging, an dem ich “Mykonos” von den “Fleet Foxes” nicht 40 Mal hintereinander durchhörte:

…hier geht´s zum Glastonbury-Video! Unbedingt auf die Gummistiefel -Röhrenjeans der Jungs achten! Hot, hot, hot.

 

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Und Ihr? Was lest Ihr gerade, wo geht Ihr mittags hin, was schaut Ihr Euch abends auf der Couch an?

Ein schönes Wochenende Euch!

Foto: via Tumblr

 

Musikerfreunde

Ed Sheeran Taylor Swift performing I see fire

 

Erinnert Ihr Euch an die PETERSEN-Spotify-Hitlist “You were always on my mind”? Während der Recherche für die Playlist stieß ich ganz unerwartet auf den jungen, englischen Folksänger Ed Sheeran. Und war sofort verliebt in das Schreib- und Sing-Talent mit dem zauseligen Vogelnest auf dem Kopf.

Der Musiker arbeitete schon jahrelang sehr fleissig an seiner Karriere und ist längst (und völlig verdient) bei einem Major Label untergekommen. Dies entging auch der US-Countrysängerin Taylor Swift (“We are never ever getting back together”) nicht. Kaum hatte sie mitgeschitten, dass in England ein junger Songwriter von sich reden machte, ließ Taylor ihn zu sich in die Staaten einfliegen.

Wie lautet noch die uralte Business-Regel? Kannst Du Deinen Feind nicht besiegen, tu Dich lieber schnell mit ihm zusammen. Gesagt, getan: Ed und Taylor schrieben für Taylors Platte “Red” gemeinsam das Duett  “Everything has changed”. Und seither tauchte Ed auch immer mal wieder als Überraschungsgast auf Taylor Swifts Konzerten auf – und Ed auf Taylors! Und wer sich gleich das Video anschaut, wird bestätigen: irgendwas liegt doch zwischen den beiden schwer in der Luft. Nicht, dass sie jetzt offiziell zusammen wären. Trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, dass Ed und Taylor abends nach ihren Konzerten öfters noch ETWAS länger an der Hotelbar herumhocken, sich nerdmäßig über Gitarren-Plugs unterhalten und dabei flaschenweise “Corona” wegpicheln. Huhu, Ihr zwei, Ihr macht es ja SO richtig. Wann im Leben hat man denn bitte jemals wieder die Zeit, bis morgens um halb neun strunzbesoffen an der Hotelbar herumzuflachsen?

Dieses zauberhafte youtube-Video zeigt Taylor und Ed auf einem kurzen gemeinsamen Auftritt in Berlin im vorigen Jahr. Ed und Taylor singen auf Taylors Konzert zusammen “I see fire”. Schaut mal rein, ist es nicht hübsch…?

Und wer es bislang nicht wusste: Ed Sheeran schrieb “I see fire” exklusiv für den zweiten Teil der “Hobbit”-Triologie “Desolation of Smaug”. Nicht, dass ich ein solch großer Hobbit-Fan wäre. Aber es interessierte mich dann doch, wie Ed zu der Ehre gekommen war, ein Lied für den “Herr der Ringe”-Regisseur Peter Jackson schreiben zu dürfen. Ich warf “Wikipedia” an und dort stand es: Peter Jackson´s Tochter, Neuseeländerin, Teenagerin und ganz offensichtlich Musikfan, hatte im vorigen Jahr ein Ed Sheeran-Konzert besucht (der junge Musiker tourte damals gerade durch Down Under). Kaum dröhnte die neue Platte in Endlosschleife durch die Jackson-Hütte, kam auch der Vater (und Regisseur) um den Ed-Sheeran-Hype nicht mehr herum. Und weil es gerade gut passte, ließ er dem Musiker ausrichten, dass er für seinen zweiten “Hobbit” ziemlich pronto noch einen Song für den Abspann benötige.

Songwriter Sheeran rückte an und schrieb, was das Zeug hielt. In “I see fire” werden die letzten Momente einer kleinen Stadt am Seeufer besungen. Jahrelang hatte man dort – unter einem widerlich fetten Herrscher zwar-, aber dennoch ruhig vor sich hingelebt, bis eine Schar Hobbits den bösen Feuerdrachen Smaug aus seinem Schlaf weckte.

Das böse Viech Smaug hatte mehrere Jahrzehnte lang in einer Berghöhle auf einem Goldschatz geschlafen. Und war nun just in diesem speziellen Moment geweckt worden, in dem man den vermutlich wertvollsten Edelstein aus seinem Schatz stehlen wollte. Der Drache, man ahnt es, ist außer sich vor Wut. Dass Feuerdrachen direkt nach dem Aufwachen sehr leicht mit dem falschen Fuss aus ihrem Goldschatz steigen, hätte man sich vermutlich denken können. Es folgen dramatische Szenen, die ich im Kino unter meiner dicken Winterjacke vor lauter Gegrusel lieber mithörte.

Wer mag, kann sich das Lied in der Originalversion hier noch einmal ansehen. Ed Sheeran spielt, frisch ins neuseeländische Musikstudio eingeflogen, “I see fire” ein und wird in der dritten Videominute ganz kurz von Peter Jacksons Teenie-Tochter mit dem iphone gefilmt.

 

Und Ihr? Welche Live-Auftritte schaut Ihr Euch gerade auf youtube an?