Über das Wegwerfen von verschlissenen Leggins

 

Neulich dachte ich mir, ich versuch’s mal wieder mit Yoga. Ich fuhr in ein angesagtes Studio in Mitte, betrat die Umkleide und stieg in eine so richtig verwaschene American Apparel-Leggins.
Ich weiß, dass es längst an der Zeit wäre, die Dinger wegzutun. Aber seit der Pleite der amerikanischen Hipster-Kette kann ich mich aus für meinen Mann leider null nachvollziehbaren Gründen einfach nicht von den Stretch-Leggins trennen.

Die Gespräche zwischen B. und mir laufen da mittlerweile nach einem vollkommen festgefahrenen Schema ab:

Er: “Du hast doch so schöne Hosen im Schrank, mein Liebling…” (starrt auf die an den Knien furchtbar ausgebeulten Leggins, die ich trage)
Ich: “Die hab’ ich mir halt mal in New York gekauft.”
Er: “Wann? 1995???”
Ich: “Selbstverständlich nicht!”
Er (schiebt sich an der offenen Kühlschranktür eine Scheibe Salami in den Mund): “Ich will  ja nichts sagen, aber Du müsstest Dich in den Dingern mal von hinten sehen. Da sind die nämlich schon ganz schön durchsichtig (schmatz, schmatz).
Ich (leicht angefasst!): “Ich bin dann jetzt mal für ein paar Stunden weg.”
(Haustür fällt mit einem unfassbar lautem Knall ins Schloß.)

Nicht, dass mich diese Diskussionen unter Druck setzen würden. Und trotzdem fürchte ich, dass man es mit dem Herumgeschlumpfe in der Wohnung vielleicht nicht unbedingt übertreiben sollte, wenn man in einer festen Beziehung lebt oder miteinander verheiratet ist.

Der Mensch, der da jeden Morgen neben einem aufwacht, ist ja keine WG-Mitbewohnerin.

Es macht also weder Sinn, ihn ständig anzuherrschen, wenn er das Nutellla-Glas in seiner hektischen Ich-bin-Manager-und-Ach-Du-meine-Güte-hab-ichs-deshalb-mal-wieder-eilig-Art leergekratzt zurück in den Schrank stellt und kein neues besorgt. Noch muss er unbedingt wissen, wie sehr ich es liebe, mich, sobald er hektisch, hektisch auf einen Businesstrip abreist, mit einer unsexy Seesand-Mandel-Maske im Gesicht, einer Staffel der Serie “Entourage”, einer Maxi-Tüte Schokobons und einer abgewetzten Tigerenten-Wärmflasche unter die Bettdecke zu verziehen.

Eine WG-Mitbewohnerin würde das alles sicher für eine Weile verkraften, wenn man ihr ab und zu mal eine Flasche Wein und ein schweineteures, gut riechendes Beautyprodukt spendiert. Eine Ehe eher nicht.

Nach einigen, offen vor dem Ehepartner herumgeschlumpften Jahren kann es sehr gut sein, dass ich mir von B. einmal im Beisein eines chronisch zugekoksten Scheidungsanwalts anhören muss, ich hätte der Liebe meines Lebens gegenüber kein Interesse mehr gezeigt.

Nur deshalb sei B. in seiner Verzweiflung ja quasi dazu gezwungen gewesen, sich in die Arme und das Ikea-Bett einer 10 Jahre jüngeren und extrem heiß aufgestylten Schnalle zu werfen, die wahrscheinlich Bibi heißt und sich gerade einen Glitzerdiamanten-Sticker auf den Eckzahn hat kleben lassen, weil sie das “irgendwie witzig” fand.

Ich könnte bei diesem Anwaltstermin natürlich erwähnen, dass sich eine gewisse Person bei uns zuhause abends und am Wochenende seit Jahren in ausgebeulten Jogginghosen auf die Couch wirft, die englische Premier League streamt und sich parallel mit seinen Kumpels über WhatsApp blödelige Kommentare zum Spiel austauscht, während ich allein im Nebenzimmer sitze, Käsecracker esse, ein frühes Werk von Martin Walser lese und vergebens auf ein angeregtes Gespräch warte.

Und dann könnte ich vielleicht noch hinzufügen, dass mich die Proll-Phasen von B. trotzdem nie so schlimm abturnten, dass ich mir von einem echt heißen und frisch nach Berlin gezogenen Portugiesen (nur so ein Beispiel) , den ich über “Tinder” aufgekratzt hätte (wo ich zur Zeit selbstverständlich nicht angemeldet bin), in seiner Neuköllner 1,5-Zimmer-Bude mal zeigen ließ, was einer, der gerade erst 22 geworden ist (ich sag nur: alles wahrscheinlich noch mega straff!!!), eigentlich so für Moves auf seiner Kaltschaummatratze draufhat.

Aber solche Überlegungen behält man bei einem Termin mit dem Scheidungsanwalt vielleicht aus taktischen Gründen besser für sich, dachte ich, als ich mir im Yogastudio meinen dicken Wollpulli auszog und die superelektrisch in alle Himmelsrichtungen abstehenden Haare wieder in ein Zopfgummi zurückzwängte.

Ich sah mich um und stellte erleichtert fest, dass auch die anderen Mädels sich scheinbar nicht groß Gedanken über ihr Outfit gemacht hatten. Als alle die Umkleide verließen, folgte ich ihnen in einen dezent nach Räucherstäbchen duftenden Raum.

“Hi!”, sagte die Yoga-Lehrerin, die kurz nach uns durch die Tür schlüpfte. Sie war nicht besonders groß, trug ihr dunkelblondes, langes Haar offen und stellte sich im Vorbeigehen supernett mit “Ich bin Bettina. Wie geht’s Euch allen denn heute so?” vor.

Während Bettina eine CD in die Anlage schob und ein schmusiger Folksänger damit begann, ganz herzzerreißend über die unerwiderte Liebe zu einer längst anderweitig vergebenen Surfer-Braut zu singen, musste ich mich schwer zusammenreißen, um nicht unentwegt auf Bettinas Outfit zu starren: Sie trug eine schicke, schwarz-beige-braun gemusterte Leoparden-Leggins und ein schwarzes, extraweites Sweatshirt, das mit einem dezenten Totenkopf bedruckt war. Quer über dem verwaschenen Schädel las ich in einer punkigen und kein bißchen albernen Handschrift das Wort “Namasté”.

Die Klamotten, die sie trug, standen Bettina super. Sie waren lässig und sahen eins zu eins so aus, als wären sie von einem ehemaligen Super-Model entworfen worden, das mit 52 noch aussieht wie 28 und sich mit Verkäufen aus einer Yoga-Kollektion morgens vor dem Frühstück schon wieder ein kleines Vermögen dazuverdient.

Bettina drehte den Schmusesänger noch ein wenig lauter. Dann trabte sie mit kleinen Hüpfern auf ihre Matte. Wir falteten unsere Hände vors Herz und begannen, auf Bettinas Kommando in tiefen Zügen ein- und auszuatmen. Unauffällig starrte ich noch ein bißchen auf ihre Leoparden-Leggins. Dann schloß auch ich die Augen. Mein Atem beruhigte sich. Und ich kam tatsächlich ein bißchen runter.

Als wir fertig waren, zog ich mich um, stieg aufs Rad und beschloß auf dem Weg nach Hause, dass es jetzt vielleicht doch an der Zeit war, etwas zu ändern. Konnte es sein, dass es mir beim Yoga tatsächlich gelungen war, so etwas wie eine tief sitzende Blockade wegzuatmen? Ich öffnete die Tür zum Hof und rollte mit meinem Rad direkt vor die Mülltonnen. Dort riß ich sofort die Sporttasche auf und stopfte die verschlissene American-Apparel-Leggins in die schwarze Tonne.

Ich war schon im Treppenhaus, als ich nochmal runterging und mit meinem Handy ein Foto von den Leggins machte. Ich schickte es meinem Mann. Als ich die Wohnung aufschloß, bekam ich eine SMS mit einem nach oben gestreckten Daumen zurück.

“Wollen wir am Samstag abend mal wieder ausgehen?” textete ich ihm. “Nur wir zwei?” (Nicht, dass man mir im Büro des Scheidungsanwalts tatsächlich eines Tages vorwarf, ich wäre ständig zu sehr mit mir und meinen Käsecrackern beschäftigt gewesen.)

Mein Mann antwortete sofort mit einem großen, roten Herz. Kurz darauf folgte noch ein Smiley, auf dessen Augen zwei kleinere, verknallte Herzchen klebten.

Ich schickte ihm den kleinen, braun-weiß gefleckten Hund, der seine Zunge rausstreckt, weil mein Mann IMMER grinsen muss, wenn man ihm diesen Hund rüberbeamt. Und dann verlor ich mich im Netz auf einer absurd zeitintensiven Recherche nach der perfekten Leoprint-Leggins. So einer, wie Bettina sie trägt.

 

Und Ihr? Habt Ihr auch noch so schlumpfige Klamotten im Schrank, die längst in den Müll gehören? Schreibts mir an: melanie (at) hellopetersen.com !

Total royal

 

So gut, dass ich kein Mitglied der britschen Königsfamilie bin. Ich nehme an, ich wäre innerhalb eines Vierteljahres schwer tablettenabhängig, Alkoholikerin, schlimm traumatisiert – oder alles zusammen.

In schwachen Momenten habe ich mir zwar öfters mal vorgestellt, wie MEGAlässig es doch wäre, in einem Schloß zu leben.
Damals im Studium zum Beispiel. Eine Zeit, in der ich mich zum Monatsende in meiner Eimsbüttler Butze manchmal tagelang von Haferflocken ernährte und ab 18 Uhr viel im Dunklen herumsaß, weil ich dauernd fürchtete, meine derzeitige Mitbewohnerin könnte zu viel Strom verbrauchen und im Anschluß überraschend einen Erasmus-Austausch genehmigt bekommen, so dass ich zum Jahresende ganz allein auf einer Nachzahlung sitzenbliebe, die mich für die nächsten zwanzig Jahre vollkommen ruiniert hätte.

Am lässigsten wäre es, so stellte ich es mir bis vor kurzem noch vor, in einem Schloß leben zu dürfen. Einem Kasten, in dem man jederzeit eine uralte Uhr von der Wand nehmen und diese auf ebay Kleinanzeigen verticken könnte, wenn einen eine aberwitzig hohe Strom-Nachzahlung ereilte.

Auf die Krone, den Titel und den anderen Wichtig-Wichtig-Quatsch könnte ich zwar total gut verzichten. Am allerliebsten wäre es mir tatsächlich, ich dürfte im Schloß leben, ohne den Job der Queen machen zu müssen. Das ganze Am-Schreibtisch-In-Wichtigen-Papieren-Herumgeraschele und die Termine, auf denen man ständig mit dem Premierminister staubtrockene Plätzchen mampfen muss, braucht doch kein Mensch.

Wäre es nicht total genial, wenn man ein vollkommen drittklassiges Licht in der Monarchie darstellen würde? Eine Person, die so unwichtig wäre, dass sie ohnehin nie zum Seidenschleife-Durchschneiden oder Spatenstich-Buddeln in einer Charity-Einrichtung für sozial benachteiligte Katzenwaisen anrücken müsste?

Wie? Das wäre Euch zu unbedeutend? Mir überhaupt nicht. Von der dritten Reihe aus könnte man es sich auf dem Schloß doch so richtig entspannt machen. Zwei Tage die Woche würde ich zum Beispiel schon mal grundsätzlich im Schlafanzug verbringen. Montags und dienstags zum Beispiel.

Mittwochs könnte ich mich dann in einem blankgewienerten Rolls Royce aus dem königlichen Fuhrpark entweder in die Tate Gallery fahren lassen oder in die königlichen Reitställe.

Vor Ort würde mir das Reitstall-Team in einem hübschen, weißen Catering-Zelt zur Stärkung höchstwahrscheinlich erstmal ein kleines Picknick anbieten. Earl Grey-Tee also, literweise Ginger Ale mit Eis und hübsche, tramezziniartige Sandwiches, die der Caterer aus weißem Toastbrot mit abgeschnittener Kante zubereiten würde, hauchdünnen Gurkenscheiben und einer fingerdicken Schicht Worcestershire-Sauce.

Sobald ich mich gestärk hätte, würde mich ein echter Hottie (!) von Pferdetrainer auf ein Zuchtpferd setzen, das mindestens eine Zillion Euro kostet. Auf diesem Spitzentier könnte ich mich auf einem Sandplatz so lange im Kreis herumführen lassen, bis der Hottie sich bei mir über seine nervenaufreibende On-Off-Beziehung mit einer argentinischen Polo-Spielerin ausgeweint hätte.

Nach dem stressigen Psycho-Mittwoch wäre ich dann vermutlich auch erstmal platt.

Donnerstags und freitags würde ich also lange ausschlafen. Abends könnte ich im Schloß vielleicht ein kleines, privates Dinner geben. Ein Abendessen, das auf jeden Fall damit endet, dass alle strunzbesoffen zu David Bowie-Songs rumtanzen, bevor alle strunzbesoffen zu alten Liebesliedern von New Order miteinander rumknutschen.

So in etwa habe ich mir jahrelang den Alltag im britischen Königshaus vorgestellt.

“Also, hirnrissiger geht’s ja wohl nicht!”, kommentierte mein Mann diese, na ja, vielleicht etwas naive Vorstellung von einem Leben inmitten der Royals. Er drückte mir ein abgewetztes Buch in die Hand.
“Lies das. Und dann reden wir weiter.”, sagte er und wendete sich dann wieder seinem Lieblings-Kanal auf Youtube zu, auf dem klapprig-dürrer, italienischer Schlagzeuger ein meiner Meinung nach extrem langatmiges Schlagzeug-Solo vortrommelte.

Ich blätterte ein wenig in dem Buch, das ich jetzt in der Hand hielt. Es handelte sich um die Diana-Chronicles von Tina Brown. Sie ist die ehemalige Chefredakteurin der US-Vanity Fair und hat während der Recherchen zu diesem Buch mit Sicherheit mehr über Prinzessin Diana herausgefunden, als diese zu Lebzeiten jemals über sich selbst wußte.

“Was steht denn so drin?”, fragte ich und starrte auf ein Foto von Lady Diana, auf dem sie einen spitzenmäßigen, knallpinken 80er-Jahre-Sweater mit Schulterpolstern trug.

Diese Frage hätte ich nicht stellen sollen. Ab jetzt gab es tagelang kein Frühstück, kein romantisches Abendessen im Restaurant und keine Autofahrt an den Schlachtensee, auf der es meinem Mann nicht schon wieder gelang, das Gespräch auf sein neues Lieblingsthema, die “Diana Chronicles”, zu lenken (“Schatz, wußtest du eigentlich, dass dieser Dodi Al-Fayed die totale Koksnase war? Ja, is’ echt wahr. Wenn Du das Buch mal lesen würdest, wüßtest du das jetzt alles.”)

Wenig später entdeckten wir auf Netflix die beiden Staffel von “THE CROWN”. Wir sahen uns alle 20 Folgen an. Und dann begriff ich, dass mein Mann tatsächlich Recht hatte.

Es muss ja leider der absolute Horror sein, zum britischen Königshaus zu gehören. Die englischen Royals sind, so wird es in der Serie jedenfalls gezeigt, scheinbar so ultrafies drauf, dass es ihnen kein bißchen zu doof ist, den ganzen Tag lang auf beige-geblümten Sofas mit Laura-Ashley-Bezug hinter dem Rücken der anderen Familienmitglieder übereinander abzulästern.

Auch handelt es sich bei diesen Leuten offensichtlich um eine vollkommen verklemmte Spezies, die sich gegenseitig rein gar nichts, also nicht mal das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt und – abgesehen von der genial durchgeknallten Partymaus Prinzessin Margret–, so steif ist, dass man echt null Lust drauf hat, im Rahmen eines Abendessens mal ein-zwei Lieder lang mit ihnen durch den Palast zu tanzen. Nicht mal, wenn jemand einen David Bowie-Song auflegt.

Und wozu tanzt Ihr abends gerade so?

Wer “The Crown” noch nicht kennt, sollte hier unbedingt mal reinschauen!

Illustration: hellopetersen // Foto: Netflix /via youtube

Berliner Partythemen

Neulich saß ich mit einer Schachtel “After Eight” auf dem Schoß vor dem Rechner und las ich mich durch ein paar Blogs, als mir auffiel, dass auf einem gar nichts mehr passierte. Ich überflog den letzten Eintrag und stellte fest, dass er aus dem September stammte.

Einige von uns erinnern sich vielleicht: das war der Monat, in dem draußen noch die Sonne schien und es selbst an bewölkteren Tagen noch möglich war, sich mit einer richtig guten Freundin und zwei Stücken „New York Cheesecake“ von Barcomi’s auf den Balkon zu setzen.

Genialerweise musste die Freundin einem damals beim Kuchenessen auch noch nicht mit einer funzeligen Taschenlampe auf den Teller leuchten, damit nicht so viel von der Gabel flutschte und runter auf die Straße flog.

Ach, ist das alles lang’ her! Ich las noch ein bißchen auf dem Blog herum, auf dem seither nichts mehr passiert war und fragte mich, ob man sich um die Bloggerin vielleicht sorgen müsse. Sofort steigerte ich mich in ein furchtbares Szenario hinein, das Probleme mit ihrem Freund oder Mann einschloß und den erneuten Wechsel einer Führungskraft im Büro, obwohl die Bloggerin sich doch möglicherweise gerade erst mit ihrer vollkommen geistesgestörten Vorgesetzten arrangiert hatte.

Und wenn es nicht an Beziehungsproblemen oder Terror im Büro liegen konnte, dann doch wohl nur daran, so bildete ich mir ein, dass die Bloggerin innerhalb von drei Monaten aus ihrer Wohnung ausziehen musste.

In anderen deutschen Städten mag es ja durchaus noch Leute geben, die den Verlust ihrer Wohnung yogimäßig gelassen und mit Würde ertragen. In Berlin bleibt einem nach einer Kündigung durch den Vermieter eigentlich nichts anderes übrig, als sich morgens um halb zehn drei doppelte Korn in die Rübe zu kippen und im Anschluß hysterisch schreiend die Torstraße rauf- und runterzurennen.

Mag also sein, dass es den Betroffenen in anderen Städten besser gelingt, sich einzureden, dass es eh mal wieder Zeit war für etwas Neues. Einen neuen Stadtteil, neue Fahrtwege ins Büro oder so. Ein neuer Arbeitsweg stellt auch für die Berliner gar kein Problem dar. Alle mir bekannten Menschen, die in Berlin leben, arbeiten in der Kreativ-Branche und sind mental durchaus in der Lage, sich innerhalb von Nanosekunden auf neue Lebensumstände einzustellen. Wer es gewohnt ist, von morgens bis abends alles in die Tonne zu kloppen, was am Tag zuvor noch mit dem Chef, dem Kunden oder dem Menschen, mit dem man zusammen ist, ganz fest so abgesprochen war, sollte eigentlich wirklich nicht daran verzweifeln, dass er demnächst umziehen muss.

Die positive Grundeinstellung meiner Berliner Freunde hält in letzter Zeit allerdings immer nur so lange an, bis sie bei Immoscout “Berlin”, “Wohnung” und “bis maximal 3000 Euro” eingegeben haben. Die  fünf-sechs mickrigen Buden in den äußersten Berliner Randbezirken, die einem im Anschluss auf dem Monitor entgegenflackern, sind nichts für sensible Kreativseelen, die sich morgens vor dem selbstgeschroteten Müsli schon gleich von einer kleinen, bierseligen Schreierei in der Nachbarwohnung den Tag verderben lassen, habe ich mir sagen lassen.

Vielleicht übertreibe ich jetzt auch ein bißchen, aber mittlerweile scheint es schon so zu sein, als werfe der unfreiwillige Verlust der Wohnung einen hier in Berlin in eine schlimmere Lebenskrise, als ein fremdgehender Ehemann oder eine Führungskraft, die einem mikrowellenschwere Aktenordner hinterher schmeißt, weil man es gewagt hatte, vor 22.30 Uhr das Büro zu verlassen.

Nicht, dass ich es statistisch belegen könnte, aber ich bin mir hundertprozentig sicher, dass neunundneunzig Prozent der Menschen, die in Berlin zur Miete leben, sich tatsächlich lieber nach einem neuen Partner oder einem neuen, noch durchgeknallteren Arbeitgeber umsehen würden, als nach einer neuen Wohnung.

Das ist zwar – wie gesagt – nur ein vollkommen subjektiver Eindruck. Wer es gern etwas genauer wissen möchte, muss sich am kommenden Wochenende allerdings nur mal auf zwei Mitte-Parties stellen, den Schlechte-Laune-Satz „Meine total nette Ernährungsberaterin muss dringend umziehen, hat jemand in letzter Zeit vielleicht mal was von einer bezahlbaren 3-Zimmer-Wohnung mit Wanne und Balkon in den üblichen Stadtteilen gehört?“ in die Runde werfen und ein Aufnahmegerät auf die Fensterbank legen. Jeder, der noch ganz bei Trost ist, entfernt sich jetzt in seinem eigenen Interesse sofort von seinem Aufnahmegerät und begibt sich zu der lustigen Gruppe in die Küche, die wahrscheinlich gerade das Berliner Party-Thema Nr.2 „Wie überlebe ich in einer polyamourösen Beziehung, ohne mich vor lauter Selbstzweifeln ständig in die Spree zu werfen“ am Wickel hat.

Könnte es also nicht tatsächlich sein, dass die Bloggerin seit September nicht mehr schreibt, weil sie aus ihrer Berliner Wohnung herausgeflogen ist? Vielleicht überlegt sie jetzt, ob es unter den gegebenen Umständen nicht vielleicht sogar leichter wäre, sich eine neue Existenz in einem ganz anderen Land aufzubauen.

Das könnte ich vollkommen nachvollziehen! Warum muss man sich in Berlin-Mitte von einem unverfrorenen Makler, der schlecht angezogen ist und aus dem Mund riecht, bei der Wohnungsbesichtigung alle zweieinhalb Sekunden auf den Arsch glotzen lassen, wenn man dasselbe doch auch in Buenos Aires, Honululu oder Kho Samui haben kann? Und dort steht man doch dann wenigstens in einer leeren Wohnung oder Hütte in Buenos Aires (!), Honululu (!) oder Kho Samui (!) herum und könnte sich in diesem Moment also wenigstens einbilden, das Ekel-Treffen mit dem Makler sei ein weiterer, nötiger Schritt zu einem ganz sagenhaft aufregenden Leben, das jetzt nur noch darauf warte, begonnen zu werden. Ein Gedanke, der sich einem nach einer Wohnungsbesichtigung in Berlin-Marzahn ja zur Zeit leider nicht unbedingt aufdrängt.

Wenn die Bloggerin jetzt also tatsächlich umziehen muss, weil der Eigentümer in ihrer bezahlbaren und unfassbar zentral gelegenen Wohnung eine schauspielernde Tochter aus dritter Ehe unterbringen will, dann wäre das schon ein mittelschweres Desaster.

Wahrscheinlich darf diese schauspielernde Tochter, die seit ihrer Entbindung daran gewöhnt ist, dass man ihr alles hinterherträgt, im Kiel-„Tatort“ als Komparsin ab und zu hinten links im Bild herumstehen und mit griesgrämiger Miene irgendwelche Papiere zusammentackern. Neulich habe ich gelesen, dass eine triste Bürosituation wie diese in TV-Krimis immer dann eingebaut wird, wenn der Regisseur ein bißchen deprimierenden Alltag auf dem Kommissariat zeigen möchte, damit einem in der nachfolgenden Szene erst recht das Blut in den Adern gefriert.

Nach der Szene auf dem vollgemüllten Depri-Polizeirevier kommt doch dann oft der gruselige Moment, in dem einen vor lauter Schreck darüber, dass der Täter schon wieder dem nächsten, ahnungslosen Opfer hinterherschleicht, die brandneuen und arschteuren Kontaktlinsen aus den Augen springen. Den glibschigen Dingern kann man von der Couch aus jetzt aber wenigstens dabei zusehen, wie sie sich die Ohren zuhalten, ins Bad schleichen, ohne Kreischerei Zähne putzen, sich freiwillig in ihre Reinigungslösung legen und noch ein bißchen in ihren Asterix-Comics blättern, während das nächste Mordopfer im Fernsehen jetzt garantiert bei Dämmerung mit einem schrottigen Fahrrad ohne Licht durch ein aberwitzig weit abgelegenes Waldstück zu seiner Oma fährt.

Ich wollte das Browserfenster gerade schließen, als ich bemerkte, dass es sich um mein eigenes Blog handelte, auf dem seit September nichts mehr passiert war. Ich ging in die Küche, warf die leeren „After Eight“-Papierkuverts in den Müll und beschloß, im neuen Jahr, das ja jetzt vor der Tür steht, wieder öfters zu bloggen. So lange ich noch eine Wohnung habe, aus der mich auch gerade keine Tatort-Komparsin herausscheucht, sollte ich die Zeit doch noch nutzen! Wer weiß, vielleicht muss ich am Ende sogar das Land verlassen. Und wie es auf der anderen Seite der Erde um die Internet-Verbindung in meiner Hütte bestellt wäre, kann ich gerade noch nicht so richtig einschätzen.

IN THE NAME OF LOVE: “Schatz, wollen wir mal wieder umziehen?”

PommesFrites

 

(Willkommen zur ersten Folge von “In The Name Of Love: Die deutsch-irische Beziehung. Die Kolumne erscheint ab sofort in unregelmäßiger Abfolge auf dem PETERSEN-Blog. )

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“In The Name Of Love”. Teil 1.

Schatz, wollen wir mal wieder umziehen? 

Wir wollen eigentlich nicht umziehen, aber manchmal wäre es eben doch ganz schön, noch ein viertes Zimmer zu haben.

„Ich hab`die perfekte Wohnung für uns gefunden“, sagt mein Mann und scrollt stolz durch die zehn Fotos, auf denen ein lichtdurchflutetes Dachgeschoss in Moabit zu sehen ist.

Ich schnappe mir sein Telefon. „Der Altbau kommt mir irgendwie bekannt vor?“ sage ich und zoome so dicht an den Grundriss heran, bis er schon ganz pixelig ist.

Zwei WhatsApps später stellt sich heraus, dass es tatsächlich dasselbe Mietshaus ist, in dem unsere sehr gute Freundin S. vor einer Weile die Wohnung einer Freundin einhütete. Unsere Freundin S. lebt mit ihrer Familie seit ein paar Jahren in Barcelona. Weil ihr Mann beruflich gerade unterwegs war, flog S. mit den beiden Jungs (4 und 6 Jahre) nach Berlin, um uns alle mal wieder zu besuchen.

Ihre Freundin war unterwegs. Deshalb hatte S. die Wohnung in Moabit mit den Kindern auch ganz für sich allein. Die Bude im Dachgeschoss muss echt der absolute Hammer gewesen sein. Bis S. eines nachmittags bei uns in der Küche von den Nachbarn erzählte.

„Tagsüber bin ich mit den Jungs ja eh immer unterwegs. Aber kaum setzen wir abends zu Hause einen Fuß in die Wohnung, klingelt das Paar aus der Wohnung unter uns auch schon an der Tür.”

„Ihr seid zu laut“, hatte die Frau, die in unserem Alter ist, geblafft. Meine Freundin warf einen unauffälligen Blick auf ihr Handgelenk. 20.15 Uhr. Ah ja. Moment! 20.15 Uhr???

Mochte ja sein, dass meine Freundin S. aus Barcelona mittlerweile anderes gewohnt war. Aber war Viertel nach acht in Deutschland denn jetzt das neue 22 Uhr?

Nein, war es nicht, beruhigten wir unsere Freundin schnell. Um Viertel nach acht musste man sich in  Berlin eigentlich für kaum etwas anblaffen lassen. Manch einer kam um diese Zeit doch erst von einer Party nach Hause, auf die er in der Absicht, nur mal kurz mit den Gastgebern anzustoßen, am Vorabend losgezogen war.

Von ihrer Freundin erfuhr S. später, dass die Nachbarin sich die Wohnung mit ihrem Mann zusammen gekauft hatte. Beim Kauf war ihnen leider nicht mitgeteilt worden, dass beim Ausbau der Wohnung über ihnen scheinbar ordentlich an Dämm- und Schallschutz gespart worden war. Jetzt hörten sie also jede einzelne Fruchtfliege, die in der Bude über ihnen vom Mülleimer auf den Holzfußboden plumpste, um dort auf der ungedämmten Diele vollgefressen einen fahren zu lassen.

Ich gebe meinem Mann das Handy zurück. Meine Skepsis steht mir wohl ins Gesicht geschrieben. Jedenfalls grinst er mich frech an und verkündet, dass er sich die Wohnung trotzdem mal ansehen werde.

„Gute Nachrichten!“ ruft er mir abends in Unterhose von der Couch aus über die Wochenend-Zusammenfassung der englischen Premier League hinweg zu. „Es ist nicht die Wohnung direkt über den Horrornachbarn. Sondern nur die daneben. Die Hoschis würden also nur schräg unter uns wohnen. Mit denen hätten wir gar nichts zu tun, Schatz.“

Dann macht er noch zwei übertrieben laute Knutscher in meine Richtung, was in unserer internen Pärchensprache so viel heißt wie “und auf das Argument, dass mich jetzt noch vom Gegenteil überzeugen soll, bin ich aber echt mal gespannt”. Er greift zur Fernbedienung, um die Glotze wieder lauter zu stellen.

Die Vorstellung, schräg über extrem lärmempfindlichen Leuten zu leben, finde ich zwar irgendwie beunruhigend. Aber das behalte ich lieber für mich. Neben diesem ultraentspannten Mann wirke ich aus irgendwelchen Gründen eh schon ständig, als gehörte ich eher zur “Glas Halbleer”-Fraktion, also zu all den anderen, deutschen Bedenkenträgern, die bei allem, was gerade erst begonnen hatte, Spaß zu machen, vor lauter Schiss sofort den Stecker ziehen.

Zwei Tage später steige ich also vollkommen unvoreingenommen aufs Rad, um mir selbst mal ein Bild von der Bude zu machen.

Die Maklerin, Mitte Fünfzig, dunkelblauer Hosenanzug, passende Pumps, Perlohrringe und blond durchgesträhnte Kurzhaarfrisur, kommt gleich zur Sache. „Die Wohnung ist wirklich ein Traum. 4 Zimmer, 2 Bäder, viel Platz auf der Dachterrasse, 115 Quadratmeter reine Wohnfläche, kleiner Hauswirtschaftsraum, Stauraum ohne Ende… Also, hier stimmt wirklich alles!“, sagt sie und breitet begeistert die Arme aus, so, wie es Angela Merkel in der “tagesschau” immer macht, wenn sie eine Gruppe Weltherrscher begrüßt.

Neugierig sehe ich mich um. Vier Zimmer wären eins mehr als bisher. Wir könnten es echt gut gebrauchen. Im Wohnzimmer ist ein offener Kamin eingebaut, in dem schon ein paar Holzscheite liegen. Im Winter könnt ich hier auf einem Sessel vor dem Feuer sicher stundenlang furchtbar wertvolle Romane lesen. Irgendwas von Henry James zum Beispiel, für den ich unter der Woche einfach nicht nötige Geduld aufbringe. Oder alle diese wundervoll traurigen Kurzgeschichtenbände von Alice Munro. Gedankenverloren trete ich an die bodentiefen Fenster. Auf der kleinen, quadratischen Dachterrasse vor mir sehe ich meinen Mann abends schon eine Handvoll Würstchen auf den Grill werfen.

„Haben die Leute, die hier vorher gewohnt haben, eigentlich irgendwas von den Nachbarn mitbekommen…“ frage ich beiläufig, während die Maklerin mir auf der teakholzgetäfelten Terrasse einen atemberaubenden Ausblick auf den Alexanderplatz und die Siegessäule zeigt.

„Ach, ob die hier ab und zu geklingelt haben? Von dieser Geschichte hat mir ihr Mann vorgestern schon erzählt. Nein, nein…,” winkt die nette Maklerin ab. “Die haben nicht ständig hier geklingelt. Also,… nicht, dass ich wüßte.”, fügt sie aber dann doch noch schnell hinzu. Freundlich zieht sie mich durch das Elternschlafzimmer ins daran angrenzende, kleinere Badezimmer, um mir die beiden “Zwillings-Waschbecken aus Naturstein” vorzuführen.

An den Rändern der beiden Naturstein-Waschbecken hat das Zähneputz- und Händewaschwasser über die Jahre leider schon so leicht milchig-weiße Ränder ins Holz gefräst.

Ich starre auf die häßlichen Wasserränder und überschlage im Hinterkopf direkt, wieviel es uns kosten würde, diese vollkommen unpraktische Waschtisch-Konstruktion eines Tages neu schreinern zu lassen. Ich kenne uns doch: keine zwei Wochen würden wir es durchhalten, das Ding jeden Abend nach dem Zähneputzen mit einer Handvoll Klopapier sofort wieder trockenzuwischen.

„Herzlichen Dank für die Besichtigung”, sage ich wenig später und lasse den Blick noch einmal durch die vollverglaste Wohnzimmerwand auf die Dachterrasse schweifen, auf den hellblauen Himmel über uns und auf die Bäume am Horizont, durch die vorhin die Siegesäule so golden hindurchglitzerte.

Im Treppenhaus stalke ich das Schuhregal des lärmempfindlichen Terrorpaars von unter uns. Zwei Paar Laufschuhe mittlerer Preisklasse, eine unbedruckte, eigentlich ganz okaye Fußmatte, ein blankgeputztes Messingschild mit den Nachnamen der Eigentümer. Bißchen spießig vielleicht. Aber eigentlich sieht der Krempel, der bei denen vor der Tür steht, ganz normal aus.

Beschwingt laufe ich die Treppe vom fünften Stock ins Erdgeschoss hinunter und sage mir, dass ich die Bedenken jetzt einfach mal alle über Bord werfen sollte. War doch eine Hammer-Wohnung!

Unten an den Briefkästen bleibe ich vor der Glasvitrine mit der Post von der Hausverwaltung hängen.

„Um die nachbarschaftliche Gemeinschaft wieder herzustellen, möchten wir darauf hinweisen, dass das Grillen im Sommer auf den Balkonen nicht öfter als 2 Mal im Monat zugelassen ist. Elektrische Grills sind von dieser Regel zwar ausgenommen, aber trotzdem sollte es untereinander Absprachen geben, um eine permanente Geruchsbelästigung der unbeteiligten Nachbarn zu vermeiden.“

Ich lese mir den Aushang einmal durch. Und noch einmal. Und dann raffe ich es endlich. Der Grill-Brief ist sowas wie ein Zeichen! Und das, was sich in mir regt, ist keine Bedenkenträgerei, sondern nur das pure Bauchgefühl. Wir werden hier einfach nicht reinpassen.

Mein Mann, seine Kids und ich, wir LIEBEN grillen. Im Sommer grillen wir nicht zwei Mal im Monat, sondern, wenn es draußen warm genug ist, oft auch zwei Mal am Tag. Gut, ich übertreibe hier jetzt ein bißchen. Aber Fakt ist: immer, wenn Würstchen im unteren Kühlschrankfach liegen, wird auch gegrillt. Ist eine unausgesprochene Familienregel.

Mein Mann legt beim Grillen meistens ein paar Schallplatten auf. Und Zimmerlautstärke kann man das, was da aus den Boxen herauskommt, eigentlich nicht mehr so richtig nennen. Ich glaube also kaum, dass wir die erste Seite der letzten „Daft Punk“-Platte überhaupt schon einmal umgedreht hätten, bevor es bei uns an der Tür Sturm bimmeln würde.

Mit einer Würstchensemmel in der Hand müssten mein Mann oder ich uns im Treppenhaus von den lärmempfindlichen Nachbarn von schräg unter uns oder von den grillempfindlichen Wutbürgern aus all den anderen Etagen zur Schnecke machen lassen. Sicher läge es an den Würstchen. Oder an der Musik. Oder am Ende doch nur daran, dass man so dreist wäre, sein Leben einfach ein bißchen zu genießen. Dass man die Muffen hätte, mal ein winziges bißchen über die Stränge zu schlagen in diesem Leben, dass ja so irre lang am Ende dann auch wieder nicht ist.

Als ich meinem Mann zuhause von dem Grillaushang erzähle, plumpst ihm fast der Topf mit der Béchamelsoße in die halbfertige Lasagne. „Also wenn wir uns eins nicht verbieten lassen, dann ist es ja wohl das Grillen“, sagt er fassungslos und rollt dabei das „R“ in „Grillen“ schon wieder so zauberhaft in seinem irischen Akzent, dass ich ihn ganz schnell an mich drücken muss.

(Foto: hausgemachte Pommes á la casa O’Connor)

Schwachsinnige Streitereien

PS I love you Hilary Swank Gerard Butler

Immer, wenn ich für ein paar Tage allein zuhause bin, lasse ich mich so richtig gehen. Ich wasche meine Haare nicht mehr. Ich stelle meinen Wecker nicht mehr. Und ich schlafe so lange aus, bis man das, was ich mir im Stehen an der Arbeitsfläche in der Küche reinschiebe, schon nicht mal mehr Frühstück nennen kann. Und weil es ja keiner mitbekommt, esse ich morgens, mittags und abends abwechselnd Butterbrote mit Käse oder Butterbrote mit Marmelade oder Butterbrote mit Käse UND Marmelade. Herrlich.

Das Allerbeste am Alleinsein ist: endlich quatscht einem keiner mehr in das Netflix-Programm. Im Ernst jetzt! So schön das Zusammenwohnen als Paar die allermeiste Zeit ist, die Tatsache, dass wir uns bis in alle Ewigkeit darüber abstimmen müssen, welche Filme wir abends streamen, kann auch mal ein echter Downer sein. Im besten Fall endet es damit, dass ich mich von meinem Mann stundenlang in irgendwelche Serien reinquatschen lasse, die ich zwar ursprünglich nie hatte sehen wollte, hinterher aber noch viel süchtiger bin, als er selbst.

Einige verbringen ja aus genau diesem Grund den ganzen Abend in getrennten Zimmern. Dauerhaft. Sie im Wohnzimmer vor der Glotze und er im Arbeitszimmer vor der Glotze. Diese Abmachung klingt im ersten Moment total super. Eingeführt haben wir sie aber trotzdem noch nicht.

Vor ihm würde ich es niemals zugeben, aber ich habe einfach zu viel Schiss, dass all diese Abende vor getrennten Fernsehern mir eines Tages, wenn mein Mann mit einer 21-jährigen Projektmanagerin mit “Brazilian Landing Strip”, champagnerfarbenem iPhone und dem IQ von einer Schreibe Toastbrot durchbrennen sollte, noch einmal ganz schlimm vorgeworfen werden könnten.

Das kennt man ja aus der Paartherapie: bei den meisten Dingen, die man sich hinterher auf quietschgrünen Sesseln im Beisein der Therapeutin vorwirft, wußte man eigentlich vorher, also während man sie tat, dass sie jetzt nicht so unbedingt der Bringer für die Beziehung sind.

Weil mein Mann (die allermeiste Zeit) ein sehr netter und humorvoller Mensch ist, empfahl er mir vor einigen Monaten sonntags beim Frühstück ein richtig spannendes Interview mit Cecelia Ahern auf dem Podcast “An Irish Man Abroad”. Und weil ich mir nach unserer Hochzeit im letzten Sommer vorgenommen habe, (die allermeiste Zeit) eine sehr nette und humorvolle Ehefrau zu sein, höre ich mir das, was mein Mann empfiehlt, mit etwa viermonatiger Verspätung auch hin und wieder mal an.

Cecelia Ahern spricht in diesem Interview mit Jarlath Regan über die Zeit während ihres Studiums, in der sie an Panikattacken erkrankte und ihre Dubliner Wohnung nicht mehr verlassen konnte. Wochenlang schloß sie sich zuhause ein. Und weil sie einfach etwas dagegen tun musste, um in ihrer kleinen Wohnung nicht verrückt zu werden, schrieb sie in nur drei Monaten ihr erstes Buch “P.S. I Love you”.

Das Interview mit Cecelia Ahern hat mich so fasziniert, dass ich gestern Abend beschloß, mir den Film “P.S. I Love You” anzusehen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich den Hauptfiguren ihre Geschichte abnehmen oder nach einer Viertelstunde mit einer angebrochenen Tüte Chips im Gesicht auf der Couch einpennen würde.Und dann kam es vollkommen anders.

Ab Filmminute 2 habe ich nur noch durchgeheult. Der Film zeigt, wie es ist, wenn einem der Ehemann viel zu früh wegstirbt (Gerry ist in diesem Film gerade mal Anfang Dreißig). Schlimm genug, dass Gerry nun also direkt nach den ersten Filmminuten schon wieder aussteigt. Hinterher trifft ab jetzt auch noch jeden Monat ein unfaßbar schöner Brief von ihm ein. Diese Briefe, die er seiner Frau heimlich vom Krankenbett aus schrieb, bevor er verstarb, sollen ihr Monat für Monat über seinen Tod hinweghelfen.

Als der Film zuende war, schmiss ich etwa hundertvierzig vollgeschneuzten Tempotaschentücher in den Müll und wäre im Bad beim Lichtmachen beinahe selbst abgekratzt, so sehr erschrak ich darüber, wie krass “Anton-der-kleine-Vampir”-mäßig meine Wimperntusche beim Heulen im Gesicht verschmiert war.

Beim Abschminken berappelte ich mich wieder. Ich war plötzlich froh darüber, dass ich noch lebte. Und dann war ich froh darüber, dass mein Mann noch lebt. Und dann war ich plötzlich gar nicht mehr froh, weil mir in diesem Augenblick einfiel, dass ich ihn wegen so vieler Kleinigkeiten oft ganz schön anzoffe.

Auf dem Weg ins Schlafzimmer schickte ich ihm ganz viele Herzchen und Emojis und bekam auch sofort ein paar von ihm zurück. Und dann schickte er mir Fotos aus der Kneipe (auf denen ein paar Gläser Guiness und dahinter verschwommen sein Bruder, ein guter Freund, der Barmann und keine einzige gewaxte Projektmanagerin zu sehen waren).

Ich schwor mir, mich nie mehr mit ihm über so unsinnige Dinge wie das Fernseh-Programm zu streiten. Als ich im Bett lag und die rechte Seite neben mir leer blieb, weil mein Mann gerade in einem ganz anderen Land in der Kneipe saß, da ahnte ich, dass wir die schwachsinnigen Streitereien untereinander irgendwann einmal vielleicht ganz schrecklich bereuen könnten. Mindestens so sehr, dachte ich, wie Holly sie in “P.S. I Love You” bereute. Und dann knipste ich das Licht aus.

Foto: Warner Bros. Pictures, Momentum Pictures

 

Brides to be

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In diesem Frühling denke ich an die “brides to be”. An alle, die in diesem Jahr heiraten werden. Ich weiß, es klingt pathetisch, aber ich schreibe es jetzt trotzdem: Leute, wenn es Liebe ist, dann tut es! Weil heiraten so schön ist. Weil es hinterher so irre schön ist, verheiratet zu sein. Und weil man nach der Hochzeit sogar noch ein winziges bißchen mehr ineinander verliebt ist, als man es vorher war. Das nahm ich all denen, die es mir vor meiner Hochzeit erzählten, nicht so richtig ab.

Was soll denn so ein offizieller Termin an unserer Liebe ändern, fragte ich mich. Und dann stimmte es wirklich! Dann änderte dieser Termin tatsächlich ein bißchen was an unserer Liebe. Sie fühlt sich noch ein wenig verbindlicher an. Und zwar auf eine gute Art verbindlich.

Selten kommt es vor, dass ich nachts wach liege und ins Dunkle starre, weil die Liebe meines Lebens sich unglücklich auf die Seite legte, bevor sie einschlief und mir nun alle 3,5 Sekunden leise ins Ohr schnauft, während ich einfach nicht abschalte und einschlafe und etwas tue, was ich nachts vom Bett aus eh nicht ändern kann, also so etwas wie an all die E-Mails denken, die ich an diesem Tag nicht mehr beantwortet habe.

In diesen Momenten, in denen ich so völlig grundlos vor mich hinstresse, liege ich neben ihm und summe “Land unter” von Herbert Grönemeyer. Ich summe ganz leise ins Dunkle hinein und kann Grönemeyer’s Stimme beim Summen fast hören. Die Stimme eines Sängers, der die Zeile “Hab keine Angst vorm Untergehn” so warmherzig und ergreifend singen kann, dass mein rasendes Herz gleich etwas ruhiger schlägt. In einem Takt, der sich total richtig anfühlt. In einem Bett mit einem Mann, der jetzt “mein” Mann ist. Und der sich auch total richtig anfühlt.

Und dann fürchte ich mich vor nichts mehr. Weil es ja auch gar nichts bringt, sich davor zu fürchten, dass wir den Kampf gegen das E-Mail-Postfach eines Tages verlieren werden. Oder, dass glückliche Tage irgendwann enden könnten.

Dann denke ich an Grönemeyer’s bezaubernde Zeilen.

“Der Wind steht schief
Die Luft aus Eis
Die Möwen kreischen stur
Elemente duellieren sich
Du hältst mich auf Kurs
Hab keine Angst vor’m Untergehn
Gischt schlägt ins Gesicht
Kämpf mich durch zum Horizont
Denn dort treff ich dich.”

Hach, Gänsehaut, wenn ich nur an dieses Lied denke. Am schönsten ist es in der “Live”-Version. Schaut mal, hier gibt’s ein Video…

Also, liebe “Brides to be”. Wenn ich nicht schon verheiratet wäre, dann wäre das wunderschöne “Daisy Cape Dress” aus der “Sans Souci”-Kollektion etwas für mich:

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Ist Euch zu geblümt? Wie wäre es denn dann mit diesem hier?

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Es heißt “Callas”.  (Und sagt das nicht schon alles, was man über ein Kleid wissen muss?!) Ist es nicht wunderschön?

Das Hochzeitskleid, das ich im vorigen Sommer trug, verdanke ich übrigens meiner großartigen und stets top informierten Freundin Alexa. Sie schickte mich im Februar letzten Jahres auf einen “Kaviar Gauche”-Sale in die Luckenwalder Straße und sparte mir mit diesem Tipp eine unfassbare Stange Geld, die ich sofort in ein paar Glitzer-Pumps für die Hochzeit steckte. Danke, liebe Lexi! Danke, danke, danke.

Und jetzt höre ich mich noch ein bißchen durch die alten Grönemeyer-Platten.

Habt einen glitzernden Februar!
(Und denkt nachts nicht an Eure E-Mails. Werde ich auch nicht mehr so viel tun, versprochen.)

Fotos: Kaviar Gauche

Raumschiffe fliegen lernen

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Foto: hellopetersen auf Instagram

“Warum spielen wir nicht mal wieder etwas zusammen?”, fragten die Kinder am Wochenende und zogen das Star-Wars-Puzzle aus dem Schrank, für das sie im vorigen Jahr noch etwas zu klein waren.

Der jüngere trug das Puzzle in die Küche und setzte sich auf seinen Kinderstuhl. Dann kam der ältere dazu.

Ich stellte ein paar Kekse auf den Tisch und dachte plötzlich an Natalie Portman.

Portman spielt in “Star Wars” die großartige Padmé Amidala. Immer, wenn ihr langweilig ist, braust Padmé mit dem “Millenium Falcon” durch das Weltall. Nie fragte sich Padmé, ob sie es überhaupt schafft, das größte Raumschiff aller Zeiten zu lenken? Oder ob ein Mann das alles vielleicht viel besser könnte?

All diese Fragen stellt sich Padmé, während sie so im “Millenium Falcon” sitzt und dabei zusieht, wie am Fenster gerade in Lichtgeschwindigkeit die Milchstraße an ihr vorbeirast, ganz sicher nicht.

Padmé tut es einfach. Sie zögert nicht lang, sondern wirft sich auf den verschlissenen Pilotensitz, drückt ein paar Knöpfchen und dann hebt der Flieger auch schon ab.

Ich setzte mich zu den Jungs. Die Kinder öffneten den Karton, kippten die Puzzleteile aus und fragten mich, ob ich mit dem Rand beginnen könnte. Klar konnte ich das!

Während wir Kekse aßen und lospuzzlten, dachte ich an Padmé. Wenn ich mir in Zukunft ein bißchen was von ihrer Attitude abschaute, dachte ich, dann sähen meine Tage vielleicht schon bald ganz anders aus.

Sommer im Rheinland

Duesseldorf Rhein 2016

 

Sommer. Der Duft von frischgemähtem Rasen und Sonnencreme auf der Haut. Das Rot der pürierten Erbeeren auf dem Spaghetti-Eis. Und jedes Jahr wieder: die ebay-Recherche nach K-Jaques-Sandalen, verblichenen Espandrilles und Vintage-Sonnenbrillen.

Das kaum getragene Brillenmodell “Audrey”  von Céline, das ich bei einer jungen Verkäuferin in Budapest ergatterte. Die 150,- Euro, die ich blitzschnell überwies und mir hinterher nicht sicher war, ob ich nun unglaublich clever oder unglaublich blauäugig gehandelt hatte. Die Erleichterung, als der UPS-Bote tags darauf bereits an der Tür klingelte und mir das kleine, zauberhaft verpackte Express-Paket überreichte. Mein Summer-Look seither: XXL-Brille, olle, schwarz- verblichene American Aparel-Leggins und ein strähniger Haar-Knoten auf dem Kopf.

Mein zweiter Sommer am Rhein! Die Rheinwiese, das Sommerufer. Abends nach der Arbeit noch ewig im Gras zu hocken und quer durch die Kindle-App-for-iPhone zu lesen. Das Schokoladeneis von “Pia”-Eis in der Kasernenstrasse, es ist in diesem Jahr meine Lieblingssorte. Die Abendsonne, die die Beine in den hellblau-verwaschenen Jersey-Shorts immer wieder nachbräunt.

Überhaupt! Auf der Rheinwiese den Sommergedanken nachzuhängen.

Die Spatzen, wie sie auf dem Dach der Kunsthochschule so unablässig den Sommer bejubeln.

Und meine winzige “Straße”: drei Häuser und eine prächtige Kunstakademie, aus der es, wenn die Fenster weit offen stehen,  herrlich vertraut nach Ölfarbe und Terpentin herausdünstet, nach Schweiss, Talent und frischbemalter Leinwand. Ein Geruch, den ich immer mit Düsseldorf zusammenbringen werde.

Aus dem Off die klapprige Straßenbahn, die alle 12 Minuten über den breiten Fluss zuckelt und in Oberkassel bei den Zwergkaninchen hält.

Bei den kleinen, flauschigen Wesen, die mit beiden Pfoten Löcher in den Rasen buddeln und mit den Hinterläufen einen aberwitzigen Sandstrahl in die Luft jagen.

Das Licht über dem Rhein, spät abends, wenn der Himmel von Rosé über Hell-Lila ins Blauschwarz abtaucht. Die Nacht über dem Fluss und die Kraft, die er im Dunklen noch besitzt.

. . .

Und Ihr? Habt Ihr auch gerade eine zweite Stadt, in der ihr viel Zeit verbringt?

Foto: petersen_melanie via Instagram

Happy, happy

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Gestern war es mal wieder soweit. Ich feierte meinen Geburtstag. Aus Furcht, mir könnte während der Arbeitszeit etwas schiefgehen, verbrachte ich den Ehrentag in diesem Jahr lieber nicht im Büro.

Wäre es nicht ärgerlich, morgens in Champagnerlaune in die Firma zu düsen und gegen Mittag an einem verstopften Kopierer zu verzweifeln?

So sehr ich mich auch freue über selbstgebastelte Gutscheine, selbstgebackene Kuchen und selbstgesungene Ständchen – wenn der Kopierer streikt, kann man die Partylaune der geladenen Kollegen aber mal ratzfatz in den Papier-Schredder schieben.

Auch ist der Kopierer ein nicht ganz ungefährliches Gerät. Wie oft brach ich mir beim Öffnen von “Seitenfach F” einen Fingernagel ab? Wie oft verbrannte ich mich im Inneren der Maschine an einer heißen Walze oder schnitt mir beim Herausfummeln einzelner, messerscharfer Papierfetzen in den Zeigefinger?

Wer viel Zeit in der Firma verbringt, weiss: Alltag im Büro ist auf seinem beschränkten Handlungsraum zwischen Schreibtisch und Rollcontainer, Konfi, Kaffeeküchte und Klo zwar oft unglaublich spaßig, aber nicht unbedingt eine Aneinanderreihung sagenhafter Sternstunden.

Nicht alle 365 Bürotage im Jahr (minus 52 Wochenenden und 30 Urlaubsstage) liefern nonstop Stoff für scharfsinnige Sitcoms.

Weder wird im Büro ständig gut gekleidet die Welt regiert ( “House of Cards”), noch wird Cognac und Whiskey aus Kristallschwenkern gepichelt oder auf durchgesessenen Zweisitzern ein Nickerchen gehalten (“Mad Men”). Bedauerlicherweise pferchte sich in meinem Beisein auch noch kein Abteilungsleiter einen tausend Euro teuren Massagestuhl ins winzige Zimmer (“Stromberg”).

Dafür wurden einige meiner Chefs von Kollegen verehrt wie eine Art Übervater (ähnlich wie Martin Sheen als POTUS in “The West Wing”). Kaum ein angeschmachteter Vorgesetzter konnte allerdings über Monate hinweg das Gag-Niveau der lustigen Julia Louis-Dreyfus halten (“The Veep”) und wenige waren so sexy wie mein Lieblings-TV-Anwalt, der testosterongesteuerte Ari Gold  aus “Entourage”. Nicht extra betont werden muss wohl, dass manche sich jedoch für mindestens so sexy hielten.

Es liegt also auch am Personal, das nicht alle Arbeitstage das Zeug dazu haben, Fernsehgeschichte zu schreiben.

Und gibt´s nicht einen besseren Schauplatz für die Geburtstags-Feierei?  Mein Lieblingssetting ist immer noch: die eigenen vier Wände.

Ist es nicht so viel besser, den Ehrentag bis weit in den Vormittag hinein im Bett zu verbringen? Und ist es nicht viel entspannter, irgendwann kurz vor der Mittagszeit in Richtung Frühstückstisch zu bummeln, barfuß, ungeduscht und mit Pumuckel-Haaren? Ist es nicht wunderbar, im Pyjama am buntgeschmückten Tisch eine Kerze auszupusten und sich voll stummer Vorfreude etwas für das gerade erst begonnene Lebensjahr zu wünschen?

Die besten Geburtstage sind eben die, an denen Zeit ist für Pyjamaparties am Küchentisch. Zeit, um nach dem Pusten noch zwei Atemzüge lang in den Kerzenrauch hineinzuschnuppern. Zeit, sich darüber zu freuen, dass man diesen besonderen Tag überall feiert, nur eben: nicht im Büro.

Viel Zeit, die Office-Sitcom also einfach mal auszusetzen und bei Kerzenschein einen Kuchen anzuschneiden mit einem Menschen, der einem sehr wichtig ist.

 

Foto: TheGlitterGuide via Tumblr

Zurück

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Ich dachte, ich melde mich mal wieder zurück. Ein Jahr lang schrieb ich nichts, völlige Stille. Ich postete nicht mal einen Lieblings-Song. Im Herbst dachte ich noch: so geht´s doch nicht weiter. Und dann kam der Winter. Und es war genau so weitergegangen. Ich hatte keine einzige Zeile geschrieben.

Im Frühling raffte ich mich auf. “Jetzt geht´s hier endlich wieder los”, nahm mir vor. Und dann? Dann wusste ich erstmal nicht so richtig, wie.

Ich mochte nichts, was ich so zusammentippte. Nach einem langen Tag im Büro war ich abends müde, oft auch einfach zu faul. Ich kramte lieber im Kühlschrank herum, aß Milchschnitten und verbrachte endlose Stunden auf Modeseiten im Netz. Dinge, man halt so macht, wenn man unter der Woche in seiner “Dienstwohnung” hockt.

Aber jetzt ist er zurück, der Sommer. Und hier wird’s auch endlich wieder weitergehen.

In den nächsten Wochen berichte ich darüber, wo ich in letzter Zeit so steckte (meistens in meiner neuen Zweit-Heimat Düsseldorf), warum ich nicht mehr schrieb (weil ich einen irre aufregenden Job antrat) und was ich in den letzten 52 Wochen so erlebte (superviel!).

All das, ab sofort, genau hier. Ich freue mich auf Euch!

Habt einen entspannten Start in den Sommer. Bin ICH froh, dass er wieder da ist.

Foto: Smallgirlblogging via Tumblr